Was du als alleinreisende Frau in Pakistan wissen musst

 

Warum zur Hölle ich nach Pakistan fahre, wurde ich oft gefragt. Warum eigentlich nicht? Pakistan ist ein super spannendes Land, zumindest, wenn man Berge und das Abenteuer liebt, fremde Kulturen spannend findet und die Neugier mitbringt, eine andere Welt als diejenige, die wir kennen zu entdecken.

Dennoch. Meine Mutter wollte es mir verbieten, meine Freunde hielten mich für endgültig durchgedreht und ich selbst hatte zugegebenermaßen auch den ein oder anderen kleinen Zweifel vor meiner Abreise. Schließlich ist die Berichterstattung über Pakistan alles andere als positiv, im Gegenteil. Es gibt nicht viele Länder, die ein schlechteres Image haben. Viele Informationen über das Reisen durch das Land, noch dazu als Frau alleine, gibt es auch nicht.

Am Ende war es einfacher und vor allem viel sicherer als gedacht, alleine als Frau durch Pakistan zu reisen. Und nicht nur das. Meine Reise durch Pakistan war mit Abstand die außergewöhnlichste und besonderste meines bisherigen Lebens. Ich stand staunend vor den höchsten Bergen der Erde und bin durch atemberaubend schöne Berglandschaften gewandert. Ich habe die gastfreundlichsten Menschen der Welt kennengelernt. Und bin in eine völlig neue Welt eingetaucht.

Einmal vor dem Nanga Parbat stehen. Das und so viel mehr kann man in Pakistan erleben.

Visum

Neben der Überzeugung von Familien und Freunden, dass man in Pakistan nicht unmittelbar nach Ankunft direkt an einen Taliban-Kämpfer verheiratet wird, ist das Visum wahrscheinlich die größte Hürde, um nach Pakistan zu kommen. Wenn das Land den Tourismus ankurbeln möchte, werden sie wohl nicht darum herum kommen, das in naher Zukunft mal einfacher zu gestalten. Grundsätzlich gilt, dass man nur in seinem Heimatland ein Visum beantragen kann (Ausnahmen bestätigen die Regel: ich habe einen Deutschen getroffen, der es geschafft hat, in Myanmar eines zu bekommen).

Für Deutschland sind das Konsulat in Frankfurt und die Botschaft in Berlin verantwortlich, welches zuständig ist, ergibt sich nach Wohnort. Für mich war das Frankfurt, und die verlangen (unlogischerweise im Gegensatz zu Berlin) einen sogenannten LOI, Letter of Invitation. Im Prinzip kann man sich diesen auch von einer Privatperson ausstellen lassen und wird mit Sicherheit z.B. in der Facebook Gruppe Backpacking Pakistan dafür jemanden finden. Diese Person bürgt aber mit Ausweis-Kopie und übernimmt eine gewisse Verantwortung gegenüber den pakistanischen Behörden für dich.

Ich habe mich daher dafür entschieden, bei Lost Horizon einen LOI zu kaufen, was mich 100$ gekostet hat und problemlos und super schnell geklappt hat. Mein Freund Haris von den Islamabad Backpackers stellt ebenfalls LOIs aus, für 65$. Ob man danach an einer Tour teilnimmt oder nicht spielt keine Rolle, das wird im Visum nicht angegeben. Einmal ausgestellt, kann man mit dem Visum auf jeden Fall einreisen. Es kann passieren, dass die pakistanischen Behörden beim Tour Operator nachfragen (wenn du dich z.B. in einer komplett anderen Region befindest, als im Vorhinein angegeben), aber das ist am Ende nicht dein Problem. 

Daneben muss man noch jede Menge Infos in der Visa – Bewerbung angeben die teilweise etwas merkwürdig sind. Die Übersicht der aktuell benötigten Unterlagen sind direkt auf der Seite des Konsulats zu finden. Da werden übrigens Passbilder mit hellblauem (warum??) Hintergrund verlangt, meine waren ganz normal hellgrau, das war kein Problem.
Einmal alles ausgefüllt und abgeschickt ging es zumindest bei mir mega schnell, das Visum wurde mir innerhalb von 2 Wochen ausgestellt.

Achtung: Im Normalfall sollte das Visum nicht länger als 3 Monate vor der geplanten Einreise beantragt werden. Denn im Visum wird ein „visit before“ Datum angegeben, vor diesem Datum muss man nach Pakistan eingereist sein. Die Ausreise kann auch nach dem angegeben Datum erfolgen. Wer z.B. wegen einer Weltreise mehr Vorlauf-Zeit braucht, kann das direkt mit dem Konsulat klären.

Achtung: Unbedingt Pass- und Visumskopien mitnehmen, diese werden für die Polizei-Checkpoints benötigt.

Hinkommen

Gängige Airlines, die nach Pakistan fliegen, sind arabische Airlines oder auch Turkish Airlines. Mein Flug mit Oman Air nach Islamabad kostete mich 460€ (hin & zurück). Islamabad oder Lahore bieten sich an als Flughäfen wenn man plant, insbesondere Pakistans Norden zu erkunden. Ansonsten ist natürlich auch Karachi möglich, und es gibt einige Land-Grenzen (Khunjerab Pass von China, Wagah Border von Indien), über die man ebenfalls einreisen kann.

Innerhalb des Landes kann man mit PIA, der lokalen Airline, fliegen.

Rumkommen

In Islamabad bewegt man sich am besten und günstigsten mit Uber fort. Ansonsten gibt es fast überall Bus-Verbindungen, allerdings ist der öffentliche Nahverkehr abgesehen von den Verbindungen zwischen den Großstädten mehr schlecht als recht. Die gängigen Mini-Busse sind zwar extrem günstig (oft kostet eine mehrstündige Fahrt nur 1 – 2 €), aber ihr Zustand ist schlecht und sie fahren grundsätzlich erst dann, wenn sie unfassbar vollgestopft mit Menschen sind. Fremde Frauen dürfen nicht neben fremden Männern sitzen, da wird notfalls mehrmals umgesetzt, damit das passt. Ich habe nichts gegen diese Regelung, sie führt zu mehr Sicherheit für alleinreisende Frauen.

Am chaotischen Busbahnhof in Mingora. Es kann schon mal 1 – 2 Stunden dauern, bis der Bus voll ist und losfährt.

In Gilgit-Baltistan habe ich nur ein einziges Mal den Bus genommen und bin ansonsten getrampt. Das geht dort wahnsinnig einfach und ist auch als Frau alleine überhaupt kein Problem. Ja, und das ausgerechnet in Pakistan. Oft wurde mir geholfen, entweder von Guesthouse Besitzern oder sogar der Polizei, ein passendes Auto anzuhalten. Das ist  wirklich super praktisch! Die Menschen freuen sich, Ausländer mitzunehmen. Ich wurde von Einheimischen die mich mitgenommen haben zum Essen eingeladen, zu einer Runde Jetski Fahren auf dem Attabad Lake mitgenommen und habe Angebote bekommen, dass man mich auf dem Rückweg wieder mitnehmen würde, ich soll mich einfach melden.

Nein, der Typ hinter mir ist nicht James Bond. Er ist ein freundlicher Pakistani, der mich nicht nur im Auto sondern auch auf dem Jetski mitgenommen hat. Only in Pakistan!

Im Swat Valley habe ich mich mit Bussen oder Sammeltaxen fortbewegt. Hier sprechen die Menschen nicht so gut Englisch und es gibt generell wenig Ausländer, daher war ich nicht sicher ob und wie gut trampen funktionieren würde.

Unterkommen

In den Großstädten wie Lahore und Islamabad gibt es Backpacker Unterkünfte, ansonsten gibt es überall Hotels und Guesthouses jeglicher Preisklasse. Dorms gibt es meist auch, die haben angenehmerweise oft nur 2 oder 4 Betten und angeschlossenes Badezimmer. Beim Trekking übernachtet man natürlich in Zelten. Ich habe für meine Übernachtungen zwischen 2 – 20€ bezahlt. Am unteren Ende der Preisklasse ist es oft nicht 100% sauber, gibt nur Bucket Shower und nicht immer warmes Wasser. Für 20€ kann man schon relativ schöne, saubere Zimmer mit eigenem Bad & Terrasse bekommen.

In der Backpacking Pakistan Facebook Gruppe gibt es eine Liste mit empfohlenen Unterkünften, in diesen hat man auch die besten Chancen, andere Reisende zu treffen. Wer wie ich in Islamabad ankommt, dem empfehle ich das Islamabad Backpackers als erste Anlaufstelle. Es ist für Islamabad super günstig und man trifft hier garantiert andere Reisende.

Ich bin in Pakistan übrigens genauso spontan gereist wie sonst auch. Lediglich meine erste Nacht in Islamabad hatte ich im Voraus gebucht, ansonsten war es überhaupt kein Problem, überall ohne Reservierung als Walk-In ein Zimmer zu bekommen. Oft wusste ich auf dem Weg in den nächsten Ort noch nicht, wo ich dann dort unterkomme. Es gibt mehr als genug Unterkünfte, entweder folgt man einfach einer Empfehlung oder schaut sich vor Ort an, wo man das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bekommt.

Am besten übrigens man lernt direkt bei der Ankunft, die Po-Dusche zu benutzen. Klopapier und dafür vorgesehene Mülleimer gibt es selten. Dieses Tutorial hat mir geholfen. Ich bin tatsächlich zum Fan geworden und ein bisschen traurig, dass ich so einen Schlauch in meiner Mietwohnung in Deutschland nicht installieren kann!

Unterkunft im traditionellen Wakhi Stil in Passu. Einfach aber sauber, günstig und gemütlich.

Essen

Das Essen in Pakistan ist oft einfach, aber meist frisch und daher sehr lecker. Die Küche ist insgesamt ziemlich fleischlastig. Es gab tatsächlich mal ein Restaurant in Gilgit, welches nur Fleisch vorrätig hatte, weder Reis noch Gemüse. Dennoch kommt man auch als Vegetarier gut durch. Traditionell ist das Essen ziemlich scharf gewürzt. Außer in Islamabad und Karimabad, wo die Preise etwas höher sind als im Rest des Landes, ist das Essen sensationell günstig. Man bezahlt in den lokalen Restaurants und Guesthouses oft nur 1 – 2€ für eine Mahlzeit. Zu trinken gibt es in den meisten Fällen wahlweise Chai (Pakistani) Tee oder grünen Tee. Zu beidem wird man zudem von den gastfreundlichen Einheimischen ununterbrochen eingeladen. Alkohol gibt es außer in 5* Hotels oder speziellen “Clubs” in den Großstädten nicht, für Ausländer ist der Erwerb erlaubt.

Mein Standard-Essen in Pakistan: Reis, Gemüse und Chapati.

Sicherheit

„Gefährlich“ ist eher das Wort, an das man denkt, wenn man an Pakistan denkt. „Sicher“ sicher nicht. Dabei habe ich es hier als super sicher empfunden. Die einzige Gefahr für alleinreisende Frauen in Pakistan geht meiner Erfahrung nach von ein paar vereinzelten Männern aus, die der Meinung sind, westliche Frauen seien leicht zu haben. Darauf gehe ich im nächsten Abschnitt noch ein. Davon abgesehen hatte ich wirklich keine Probleme damit, als Frau alleine durch Pakistan zu backpacken. Zum einen liegt das daran, dass die Polizei selbst sehr gut aufpasst, man wird wirklich wo man geht und steht registriert und die Präsenz ist enorm. 

Polizei Checkpoint in Gilgit Baltistan. Hier muss man sich als Ausländer registrieren lassen.

Teilweise bekommt man sogar eine Polizei-Eskorte, wie z.B. in Fairy Meadows. D.h. ein Polizist, bewaffnet mit einer Kalaschnikow, wandert einfach so mit einem. Hört sich bedrohlich an, aber Fairy Meadows ist ein unfassbar friedlicher Ort und die Polizisten genauso nett wie die restlichen Einheimischen. Zum anderen sind die Pakistanis einfach generell sehr friedlich und respektvoll, insbesondere gegenüber Ausländern. Mein Sicherheitsgefühl war hier zig-fach höher und überhaupt kein Vergleich z.B. zu Südafrika. Ich war oft auch nach Anbruch der Dunkelheit alleine unterwegs, und hatte nie Probleme.

Nichtsdestotrotz kann es natürlich hin und wieder zu Ausschreitungen oder Protesten kommen. Es gilt, die Lage im Auge zu behalten und sich im Fall der Fälle von Menschenansammlungen fern zu halten. Dennoch, Pakistan ist riesig, und sollte sich so etwas ereignen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sich überhaupt nicht am Ort des Geschehnisses befindet. Selbst wenn, wird man als Ausländer wahrscheinlich nicht mal in die Nähe gelassen.

Einer der super netten Polizisten in Fairy Meadows, im Hintergrund der Nanga Parbat.

Männer

Passend zum Thema Sicherheit möchte ich auf die Männer in Pakistan eingehen. Vorab, ich habe so viele Männer kennengelernt, die ausnahmslos freundlich und unglaublich respektvoll mir gegenüber waren. Ich habe in keinem Land was ich bisher bereist habe so viele Freundschaften zu Einheimischen geschlossen. Es gibt ein paar vereinzelte Fälle von Männern, die der Meinung sind, westliche Frauen sind (leicht) zu haben, und es wäre in Ordnung, sie zu betatschen. Wenn das nur eine Hand auf der Schulter ist beim Selfie, kann man z.B. sagen, dass das der Ehemann nicht erlaubt, das wird sofort akzeptiert.

Ich hatte einen Fall eines Tourismus-Beauftragten in Gilgit am Flughafen, der es anscheinend auf alleinreisende Frauen abgesehen hat. Mir und einer Amerikanerin, die ein paar Tage nach mir ein ähnliches “Vergnügen” hatte, hat er seine Hilfe angeboten, dann aber versucht uns zu begrapschen und anzügliche Gespräche zu führen. Ich habe daraufhin ein Posting in der Backpacking Pakistan Gruppe gemacht um andere alleinreisende Frauen zu warnen. Innerhalb von 2 Stunden hatte sich jemand aus der Gruppe bei mir gemeldet, dass er bei den dortigen Behörden dafür gesorgt hat, dass der Betreffende mit sofortiger Wirkung entlassen wurde.

Also in so einem Fall immer laut werden. Allah verurteilt ein solches Verhalten ebenso wie die meisten Einheimischen, die jeder Touristin sofort heldenhaft zur Seite stehen würden, wenn sie so etwas aufzeigt. Ich habe zahlreiche Nachrichten von Männern bekommen, die sich bei mir für das Erlebte entschuldigt haben. Außerdem war der Hotelbesitzer des Panorama Hotels in Chilas der Meinung es wäre eine gute Idee, bei mir nachzufragen, ob wir nicht die Nacht zusammen verbringen könnten.

Grundsätzlich rate ich stark davon ab, sich auf sowas einzulassen. Die Jungs zeigen oft viel Einsatz für die Möglichkeit, dass etwas laufen könnte, und bieten kostenlose Unterbringung, Einladungen in Restaurants oder Fahr-Services dahin an, wo man als nächstes hin möchte, auch wenn es mehrere 100 Kilometer entfernt ist. Aber wenn das raus kommt, bekommen sie Riesen Probleme. Einer sagt mir z.B., wenn sein Vater so etwas mitbekommen würde, würde er ihn aus der Familie verstoßen.

Ansonsten bleibt mir noch zu sagen, dass man sich als Frau, egal ob alleine oder in Begleitung, darauf einstellen muss, um zahlreiche Selfies gebeten zu werden und ebenso zahlreich angestarrt zu werden.

Wenn man sich plötzlich in 5 Selfies gleichzeitig befindet kann man auf einmal nachfühlen, wie sich ein Promi wohl fühlen muss.

Sprache

Die Landessprache ist Urdu, zudem gibt es zahlreiche regionale Dialekte. Englisch ist sehr gängig und wird oft sehr gut, aber fast immer zumindest ein bisschen gesprochen. Das macht es vergleichsweise einfach, in Pakistan zu reisen. Überhaupt sind die Pakistanis sehr gebildet, ich habe Menschen getroffen die Japanisch oder Chinesisch sprechen, und viele sogar ein paar Brocken Deutsch. Sie kennen sich mit dem politischen Weltgeschehen aus und sind oft Fans von Angela Merkel.

Geld

In Pakistan wird mit der pakistanischen Rupie bezahlt. Backpacking in Pakistan ist super günstig, je besser man mit nicht ganz sauberen Unterkünften klar kommt, desto günstiger. Hotels gibt es allerdings in allen Preisklassen. Für mehrstündige Busfahrten habe ich nie mehr als 4€ bezahlt, für Mahlzeiten in den ländlichen Gegenden oft nur 1 – 2€. Insgesamt habe ich in Pakistan 24€ / Tag ausgegeben, meinen Flug von Islamabad nach Gilgit nicht mit einberechnet (80€).

Die Unterkünfte sind nicht nur günstig, sie haben oft auch wunderschöne Gärten wie dieser hier im Osho Thang Hotel in Minapin.

Handy & Internet

Eine lokale Sim-Karte bekommt man als Ausländer entweder im Headquarter eines Telekommunikations-Anbieters (z.B. in Islamabad oder Lahore), oder man findet einen hilfsbereiten Pakistani der das mit der Registrierung mit seinen Daten übernimmt. In Gilgit-Baltistan funktioniert Scom am Besten, die Karten bekommt man auch nur dort. Ansonsten empfiehlt sich für den Rest des Landes Zong. Damit hat man überall entlang des Karakoram Highways allerdings lediglich Edge. Wifi gibt es in den meisten Gästehäusern, allerdings fällt das auch manchmal aus oder ist von mäßiger Qualität.

Bei diesen Aussichten auf dem Karakoram Highway kann man auch mal auf Handyempfang verzichten.

Ausrüstung

Der Norden Pakistans ist ein wahres Paradies für Trekker und Bergsteiger. Die Möglichkeiten hier sind schier unendlich. Von Tages-, Mehrtages- bis hin zu mehrwöchigen Treks ist alles möglich. Ausrüstung inkl. Zelt, Schlafsack, etc. kann vor Ort ausgeliehen werden. Mein 2-Tages-Trek zum Rakaposhi Basecamp war vergleichsweise komfortabel, da es in diesem ein festes Camp gibt. Das Nanga Parbat Basecamp kann von Fairy Meadows aus in einer Tages-Wanderung erreicht werden und erfordert keine Übernachtung im Zelt. Ich war ganz froh über meine Trekkingstöcke und warme Daunenjacke, sowie meinen Schlafsack. In den Bergregionen war es Nachts auch in den Unterkünften kalt, bzw. war der auch nützlich für diejenigen Herbergen, die nicht ganz so sauber waren.

Wenn die Sonne hinter den Bergen untergeht wird es so nah am Gletscher natürlich kalt. Aber wer will sich bei solchen Ausblicken darüber beschweren?

Kulturelles

Wo fange ich da an und wo höre ich auf. Am besten ich fange bei dem an, wofür Pakistan bekannt ist, und was auch ich in unglaublichem Maße erleben durfte: die Gastfreundschaft. Die ist tatsächlich etwas ganz besonderes und wird für mich immer unvergessen bleiben. Ich wurde selten in einem Land so warmherzig willkommen geheißen wie in Pakistan. Ich habe unzählige Einladungen auf eine Tasse Tee bekommen, ich wurde beim Trampen sofort mitgenommen und bis in meine nächste Unterkunft gebracht, wurde zum Essen eingeladen und Uber Fahrer wollten auf einmal kein Geld annehmen. Besitzer von Gästehäusern haben mir ihre Stadt gezeigt oder mich einfach so den ganzen Tag auf Wanderungen begleitet. Ein Busfahrer hat angehalten um mir ein Eis zu kaufen. Ich habe Telefonnummern bekommen und Einladungen in alle Orte in Pakistan. Mit vielen Pakistanis bin ich heute noch befreundet und über WhatsApp in Kontakt. 

Hassan, der Besitzer des Cathedral View Hotels in Passu, ist ein richtiger Goldschatz und hat seine ausländischen Gäste den ganzen Tag auf eine Wanderung begleitet.

Dabei ist Pakistan mit Sicherheit das konservativste Land, was ich jemals bereist habe. Zwar gelten keine Gesetze, was z.B. die Kleiderordnung oder gewisses Verhalten betrifft, wie im Iran, aber die Menschen dort sind vergleichsweise viel moderner. Ich habe den Eindruck, das liegt auch daran, dass man dort versucht, Menschen Dinge zu verbieten, während Pakistan einfach von sich aus sehr stark muslimisch geprägt ist und die Menschen keine Gesetze brauchen, um ihr Leben nach dem Islam auszurichten. Zwar sind viele junge Menschen sehr modern und westlich geprägt, doch die meisten sind dennoch sehr religiös. Dass sich jemand, mit dem ich mich eben noch über Netflix Serien unterhalten habe, plötzlich eben zum Beten verabschiedet, ist völlig normal.

Die Geschlechterrollen sind mehr als traditionell verteilt. Je konservativer die Gegend, desto weniger Frauen sieht man überhaupt auf den Straßen, und wenn nur stark verschleiert. Eine verheiratete Frau wird in den meisten Fällen direkt zur Hausfrau, sodass man auch kaum Frauen arbeiten sieht. Damit muss man klar kommen, wenn man durch Pakistan reist. Ich habe mich dann umso mehr gefreut, wenn sich doch mal eine Frau getraut hat, ein bisschen mit mir zu reden. In Karimabad konnte ich mit einem einheimischen Freund eine Schreinerei besuchen, die einer der wenigen Orte in Pakistan ist, wo Frauen arbeiten. Das war eine tolle Erfahrung für mich, die Möglichkeit zu bekommen, mit diesen starken Frauen zu reden.

Ungewöhnlicher Anblick in Pakistan: Frauen in der Schreinerei in Karimabad bei der Arbeit.

Die Ehen sind in fast allen Fällen arrangiert. Liebes-Ehen gibt es zwar auch, sind aber eher selten. Dating existiert überhaupt nicht. Ich wurde 1 – 2 Mal schüchtern gefragt, ob ich schon mal einen Freund hatte, weil man das vom Westen so gehört hat. In Pakistan wird geheiratet, nicht gedated.

Kleiderordnung

Zuerst die gute Nachricht. Anders als im Iran gibt es in Pakistan keine gesetzliche Kleiderordnung. Theoretisch kann man also tragen was man möchte. Praktisch sollte man sich doch besser an die gängige Vorgehensweise halten, bzw. die Kultur respektieren. Was bedeutet das konkret für Pakistan? Westliche Kleidung ist absolut in Ordnung. Als Frau sollte man unbedingt immer eine lange Hose tragen, und gerne etwas weitere Oberteile. Kurzärmlig ist vor allem in Islamabad und auch in Gilgit-Baltistan kein Problem, ich habe beim Wandern meine ganz normalen Trekking-Klamotten und oft T-Shirt getragen. Ein Kopftuch habe ich nur in den sehr konservativen Orten im Swat Valley aufgesetzt, aber einfach nur weil ich mich damit wohler gefühlt habe. Auch hier ist das kein Muss. Ich habe mir in Islamabad ein Salwar Kameez gekauft, mit denen man sich ein bisschen besser einfügt und das noch dazu ein sehr bequemes Kleidungsstück ist. Die Einheimischen freuen sich darüber, wenn man das auch als Touristin trägt und somit ihre Kultur ein wenig anerkennt.

Traditionelles Kleidungsstück in Pakistan: der Salwar Kameez.

Tunika geht in Pakistan auch gut.

Beim Wandern oder abenteuerlichen Aktivitäten wie dem Überqueren dieser Hängebrücke (naja, zumindest bis zur Hälfte…) habe ich ganz normale Trekking-Klamotten getragen.

Wahrnehmung alleinreisender Frauen

In 3 Wochen Backpacking durch Pakistan habe ich 3 andere alleinreisende Frauen getroffen. Unter den Einheimischen ist man aber dennoch ein ziemliches Kuriosum. Gilgit-Baltistan ist touristisch, hier finden die Menschen das nicht ganz so ungewöhnlich, in konservativen Gegenden ist es schlicht unverständlich, dass eine Frau alleine reist. Ebenso unverständlich ist, dass man als Frau nicht verheiratet ist. Um hier entgeisterte Fragen und mögliche Anmachen der Männer zu vermeiden, habe ich meistens einfach behauptet, verheiratet zu sein. Mein Fake Ehemann musste leider arbeiten und konnte daher nicht mitkommen auf die Reise. Bzw. bin ich praktischerweise in das Swat Valley, die konservativsten Region die ich besucht habe, mit einem Franzosen mit demselben Ziel gereist. Wir haben in der Zeit einfach behauptet, dass wir verheiratet sind. Das hat es einfacher für mich gemacht und dadurch konnten wir uns auch problemlos die Zimmer teilen.

Mein Ehemann auf Zeit, Julien aus Frankreich, und neugierige pakistanische Männer in Mingora.

Informieren

Der heißeste Tipp für eine Reise nach Pakistan ist die Backpacking Pakistan Facebook Gruppe. Hier versammeln sich hilfsbereite Einheimische, sowie wahrscheinlich jeder, der in letzter Zeit durch Pakistan gereist ist. Außerdem gibt’s Tipps speziell für Frauen in der Female Pakistan Travelers Facebook Gruppe.  
Ansonsten empfehle ich die englischsprachigen Blogs Lost with Purpose (ich habe Alex selbst in Islamabad kennengelernt, sie kennt sich wirklich super aus und hat einen unvergleichlichen Humor) und Against the Compass. Deutsche Erfahrungsberichte über ihre Reise durch Pakistan findet ihr bei meinen Freunden Leo und Sebastian von eins2frei. Dank der tollen Bilder und Erzählungen der beiden kam ich überhaupt erst auf die Idee, Pakistan als Reiseziel in Betracht zu ziehen.
Reiseführer gibt es wenige, aktuelle noch weniger. Empfehlenswert ist Pakistan Traveler mit vielen relevanten und aktuellen Infos.

Fazit & Rating

Wer eine sehr besondere Reise-Erfahrung machen möchte und in eine ganz andere Welt und Kultur eintauchen möchte, ist in Pakistan goldrichtig. Wenn man noch dazu Berge liebt und das Abenteuer, und für diese besondere Erfahrung bereit ist, auf einen gewissen Komfort zu verzichten, dann wird man in Pakistan eine unglaublich besondere und intensive Zeit verbringen und dabei die tollsten Menschen kennenlernen.

In Gilgit-Baltistan zu reisen ist geradezu lächerlich einfach. Ich war ehrlich gesagt fast ein bisschen enttäuscht. Die einzige Herausforderung ist der etwas verbesserungswürdige öffentliche Nahverkehr, ansonsten kommt man super easy von A nach B, es gibt überall Unterkünfte und unglaublich hilfsbereite Menschen. Außerdem ist die Gegend sehr liberal und weltoffen, man sieht zahlreiche Frauen auf der Straße, viele ohne Kopftuch.

Nicht nur ein sehr liberaler, sondern auch wunderschöner Ort: mein geliebtes Karimabad.

Im Swat Valley ist es dann doch etwas anders. Durch die jahrelange Besetzung der Region durch die Taliban kam der vormals blühende Tourismus zum Erliegen und die Gegend ist doch sehr konservativ. Hier muss man zum einen in der Lage sein, sich gut selbst zu organisieren und zum anderen bin ich nicht sicher, wie ich hier alleine als Frau angekommen wäre. Möglich ist es sicher, aber gefühlt war es doch ein passender Zufall, dass ich genau hier männliche Begleitung in Form eines anderen Reisenden mit demselben Ziel hatte. Ich bin in Kalam auch ab und an alleine auf den Bazar gegangen, man wird halt viel angestarrt und z.B. im Laden kann es passieren, dass die Besitzer abwarten, dass man sie zuerst anspricht. Dann sind sie aber alle sehr nett.

Das Swat Valley ist konservativer, weshalb ich hier meist Kopftuch getragen habe.

Frauen, die alleine nach Pakistan reisen möchten, empfehle ich vorher ein anderes “Stan”, z.B. Kirgistan und unbedingt auch ein stark muslimisch geprägtes Land wie z.B. den Iran bereist zu haben. Falls du dich zwischen dem Iran und Pakistan entscheiden möchtest, kannst du meinen Ländervergleich lesen, der als Gastartikel auf Weltreiseforum.com erschienen ist

Mit dem Rating tue ich mich ein bisschen schwer, denn einerseits möchte ich Pakistan kein niedriges Rating geben, da das Land wachsenden Tourismus wirklich von Herzen verdient hat. Andererseits gibt es in Pakistan schon Regionen oder Situationen, in denen du als allreinreisende Frau über einen gesunden Menschenverstand verfügen solltest und zudem stark genug sein musst, auf deine Intuition zu hören. Durch die wenigen Informationen, die über Backpacking in Pakistan verfügbar sind, musst du zudem in der Lage sein, dich gut selbst zu organisieren. Und du musst in einer sehr männderdominierten Gesellschaft klar kommen.

Wenn du diese Voraussetzungen allerdings erfüllst, dann wartet auf dich in Pakistan ein grandioses Abenteuer und eine unvergessliche Reise.

Mein Rating: 6/10 Punkten*

*Mein Rating bezieht sich darauf, wie geeignet ich ein Land für alleinreisende Frauen halte. Je niedriger das Rating, desto mehr Erfahrung sollte man als alleinreisende Backpackerin mitbringen. Ein niedriges Rating sagt nichts über die Schönheit des betreffenden Landes und seiner Menschen aus. 


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat und ich dich zu einer Solo Reise nach Pakistan inspirieren konnte. Wenn du magst, folge mir auf:

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Servus, ich bin Annika. Auf der Suche nach den traumhaftesten Sonnenuntergängen und Gipfeln mit den atemberaubendsten Aussichten reise ich durch die Welt. Besonders angetan haben es mir außergewöhnliche Länder. Über die Abenteuer, die ich in diesen als alleinreisende Frau erlebe, berichte ich euch hier. 

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