Pakistan Highlight: Guide für die 2-Tages-Wanderung zum Rakaposhi Basecamp

 

Ich sitze auf dem Grat über dem Rakaposhi Basecamp. Es ist 6 Uhr morgens, und die Sonne macht sich gerade daran, ihre ersten Strahlen auf die Berg-Giganten über mir und den riesigen Gletscher unter mir zu werfen. Ab und an wird die Stille durch Lawinen, das Brechen der Gletscher und Steinschläge unterbrochen. Ich war noch nie so nah an einem 7000er. Und ich habe mich noch nie so klein gefühlt.

Der Gletscher zwischen Rakaposhi und Diran kurz nach Sonnenaufgang.

Hinkommen

Der Trek zum Rakaposhi Basecamp startet in Minapin, ein kleiner Ort ca. 3km von der Straße zwischen Gilgit und Karimabad entfernt. Auf der Strecke verkehren Busse in beiden Richtungen. Alternativ kann man auf dem Karakoram Highway auch super gut trampen. In beiden Fällen wird man am Abzweig nach Minapin raus gelassen. Von dort aus einfach Richtung Minapin laufen, die netten Einheimischen nehmen Touristen im Auto oder wahrscheinlicher, auf ihrem Motorrad mit.

Die Kinder in Minapin haben einen Riesen-Spaß an Selfies.

Unterkommen

Ich kann das Hotel Osho Thang empfehlen, es gibt hier Schlafsaal und Einzelzimmer, einen wunderschönen Garten und den sehr netten, hilfsbereiten Besitzer Israr. Über Israr kann man auch den Trek organisieren. Ich treffe hier zwei weitere alleinreisende Frauen, die ebenfalls zum Rakaposhi wandern wollen. Da hier viele der Wanderer übernachten ist die Chance recht hoch, Leute kennenzulernen. Unter anderem treffe ich hier eine Gruppe echter Bergsteiger, darunter ein Pakistani, der auf dem K2 war (!!).

Israr, der herzensgute Besitzer des Osho Thang Hotels, gerade dabei frische Walnüsse für uns zu knacken.

Im prächtigen Garten des Osho Thang Hotels versammeln sich tapfere Bergsteiger: eine 70jährige Neuseeländerin, die jedes Jahr zum Trekking nach Pakistan kommt, eine alleinreisende Amerikanerin, die gemeinsam mit mir im Rakaposhi Basecamp war und unser Held Shaheen, ein Einheimischer, der schon den K2 bestiegen hat.

Essen

Das Essen im Osho Thang Hotel und im Basecamp ist ausgezeichnet. Israr verwöhnt seine Gäste mit allem, was in seinem Garten wächst und bringt auch mal eine einheimische Süßigkeit an den Tisch. Wie überall in Pakistan ist das Essen sehr frisch.

Das Essen im Osho Thang ist einfach, aber frisch und sehr lecker.

Ausrüstung

Man kann im Basecamp Zelte und Schlafsäcke mieten. Das arrangiert man am besten direkt im Osho Thang Hotel, da die Pächter des Basecamps nicht immer vor Ort sind. Auch Essen wird meistens im Camp angeboten, das ebenfalls vorher abklären. In Minapin gibt es ansonsten einige kleine Läden in denen man sich mit Grundnahrungsmitteln ausrüsten kann.

Wasser gibt es unterwegs auf ca. der Hälfte der Strecke in Hapakun. Hier am besten alles nochmal auffüllen, da es passieren kann, dass im Basecamp kein Wasser vorhanden ist.

Zelt im Rakaposhi Basecamp.

Guide

Viele Einheimische in der Gegend bieten ihre Dienste als Guide an, die beste und günstigste Option ist meiner Meinung nach, das direkt über Israr vor Ort im Osho Thang zu organisieren. Er hat für mich und zwei weitere Reisende bei meiner Ankunft alles für den nächsten Tag organisiert. Unsere Guides sind Dildar und Sherbaz, die Pächter des Basecamps. Sie kennen die Gegend wie ihre Westentasche und laufen den Weg leichtfüßig wie Bergziegen. Die beiden sind super nett und wir haben viel Spaß zusammen. Sherbaz kocht außerdem sehr lecker für uns. Pro Person bezahlen wir für die Guides, das Zelt, Abendessen und Frühstück 3000 Rupien (ca. 21€).

Unsere beiden Guides Dildar und Sherbaz bei einer Rast.

Die Wanderung ist theoretisch auch ohne Guide machbar, allerdings ist der Weg auf keiner mir bekannten App eingezeichnet. Man kann sich mit Maps.Me anhand der Himmelsrichtung orientieren. Es gibt hier und da etwas verblichene Markierungen in Form von Pfeilen, nach denen man aber gut Ausschau halten muss. Ab und an markieren Flaggen den Weg. Wenn es nicht geregnet hat, kann man nach Fußspuren auf dem Weg Ausschau halten. Ich persönlich bin mir nicht sicher, ob ich den Weg alleine so easy gefunden hätte, wir  treffen allerdings unterwegs einen anderen Deutschen, der erfolgreich alleine hoch gewandert ist.

Wer den Weg ins Rakaposhi Basecamp findet wird mit atemberaubenden Ausblicken wie diesen belohnt.

Erforderliche Fitness

Es sind fast 2.000 Höhenmeter zu überwinden. Tagsüber wird es sehr heiß und der Weg ist größtenteils sehr exponiert. Der Vorteil an der Übernachtung in den vorhandenen Zelten ist, dass man nur seine eigenen Klamotten und Wasser tragen muss. Nachts wird es sehr kalt, daher empfiehlt sich für die Übernachtung im Zelt unbedingt etwas wärmeres mitnehmen. Ein gewisses Fitness-Level sollte man also auf jeden Fall mitbringen, auch wenn die Guides notfalls helfen, den Rucksack zu tragen.

Ankunft in Hapakun auf ca. der Hälfte der Strecke. Im Hintergrund der Grat, hinter dem das Rakaposhi Basecamp liegt.

Das Basecamp

Das Basecamp ist normalerweise von Juni – September geöffnet. Als ich Ende September hier war, wurden die großen Zelte bereits abgebaut, da man nie weiß, wann der erste Schnee fällt. Nach Voranmeldung werden die kleinen Zelte aber bei gutem Wetter für Wanderer auch wieder aufgebaut. Es gibt neben den Zelten noch ein kleines Häuschen, in dem die Vorräte aufbewahrt werden, sowie ein Plumpsklo. Ein kleines Bächlein fließt durch das Camp, allerdings führt es nicht immer Wasser. Dort oben weiden auch Kühe und Schafe, weshalb es besser ist, Wasser aus Hapakun mitzubringen. Manchmal wird im Basecamp auch Wasser verkauft, darauf kann man sich aber nicht verlassen.

Zeltplatz in grandioser Kulisse: Das Basecamp am Fuße des Rakaposhi.

Der Trek

Start: Minapin (1.500 Meter)

Ziel: Rakaposhi Basecamp (3.400 Meter)

Dauer: ca. 3 – 4 Stunden von Minapin bis Hapakun, ca. 3 weitere Stunden von Hapakun zum Basecamp. Die Guides schaffen den Weg übrigens in insgesamt 2,5 Stunden…

Blick zurück Richtung Minapin.

Die Wanderung startet direkt am Hotel in Minapin. Man geht ein kleines bisschen die Hauptstraße entlang und biegt dann rechts ab und läuft durch das Dorf. Am Dorfende beginnt der Feldweg, der das erste Stück des Wanderwegs darstellt. Nach Überquerung der Brücke beim Damm geht es erstmal steil nach oben. Nach ca. 1 Stunde ist das erste schweißtreibende Stück geschafft ist, dann wird der Weg schmaler und flacher. Nach einer weiteren Stunde erreicht man ein kleines Dorf, hier kann man eine weitere wohl verdiente Rast machen. Das nächste Stück nach Hapakun ist wieder etwas steiler, das kleine Häuschen ist nach insgesamt 3 Stunden erreicht. Dort ist es ebenfalls wunderschön friedlich und hier sollte man sich nochmal ausgiebig erholen, bevor man den zweiten Teil in Angriff nimmt, der nochmal ca. 3 Stunden dauert.

Auf dem Weg Richtung Rakaposhi Basecamp.

Von hier aus sieht man schon den Grat, hinter dem das Basecamp liegt. Vorher muss man noch hinter Hapakun den Hang rechterhand hinauf und dann immer Richtung Grat. Oben angekommen, wird man für alle Mühen entschädigt. Der Blick auf den Gletscher, den Rakaposhi und den Diran, ist von hier aus schon unglaublich beeindruckend.

Der atemberaubende Blick auf den Gletscher, und hier hinter Wolken, den Diran.

Nachdem man hier wieder zu Atem gekommen ist, ausgiebig die Aussicht genossen hat, geht es das letzte Stück nur noch 10 Minuten zum Basecamp. Das Lager liegt auf einer weitgehend windgeschützten Wiese (der Wind pfeift allerdings dennoch Nachts ganz ordentlich durch unser Zelt), wunderschön am Fuß der Rakaposhi. Die schönsten Aussichten ergeben sich dann, wenn man ein paar Schritte hinauf geht, auf die umliegenden Hügel. Auf dem Grat entlang kann man nach beiden Seiten gehen und immer wieder neue, atemberaubende Ausblicke auf die Berge, den Gletscher und die fortwährend vom Berg kommenden Lawinen genießen. Zum Sonnenuntergang und -Aufgang ist das Licht hier oben besonders schön.

Blick auf den Diran bei Sonnenuntergang (und Mondaufgang).

Wer mehr Zeit hat kann den Gletscher überqueren und von hier aus das Diran Basecamp erreichen. Das sollte man aber auf gar keinen Fall ohne Guide tun, denn die Gletscherspalten sind tief und können tödlich sein. Den Rakaposhi selbst haben übrigens bisher nur 2 Bergsteiger jemals bezwungen.

So wunderschön er ist, so gefährlich ist die Besteigung des Rakaposhi.

Ich steige am nächsten Tag wieder ab, das dauert ca. 3 – 4 Stunden, je nachdem wie viele Pausen man auf dem Weg nochmal einlegt.

Fazit

Der Trek zum Rakaposhi Basecamp ist neben der bekannten Wanderung zum Nanga Parbat Basecamp eine tolle Möglichkeit, in Pakistan ohne viel Aufwand Trekking-Luft zu schnuppern und eine Ahnung davon zu bekommen, wie viele unendliche Möglichkeiten es noch gibt, das zu tun. Selten hat man die Möglichkeit, in nur einer Tageswanderung ein Basecamp zu erreichen, in dem man problemlos ohne eigene Ausrüstung übernachten kann. Das alles in völliger Einsamkeit und in einer der schönsten Landschaften die ich jemals erleben durfte. Für mich war der Trek ein absolutes Highlight meiner Pakistan Reise und ich kann dieses einmalige Erlebnis nur empfehlen.


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat und ich dir ein paar Tipps für diese tolle Wanderung geben konnte. Wenn du magst, folge mir gerne auf:

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Wer steckt hinter Sunsets & Summits?

Servus, ich bin Annika. Auf der Suche nach den traumhaftesten Sonnenuntergängen und Gipfeln mit den atemberaubendsten Aussichten reise ich durch die Welt. Besonders angetan haben es mir außergewöhnliche Länder. Über die Abenteuer, die ich in diesen als alleinreisende Frau erlebe, berichte ich euch hier. 

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