Was du als alleinreisende Frau in Kirgistan wissen musst

 

Kirgistan? Wo liegt das überhaupt? Zugegeben, das kleine Land in Zentralasien ist bei uns eher weniger bekannt. Warum eigentlich? Es ist viel zu schön, um vor allem von Outdoor – und Berg – Liebhabern ignoriert zu werden. Ich bin fast dazu hingerissen, zu behaupten, dass es vielleicht sogar das schönste Land ist, was ich jemals bereist habe. Obwohl das Land bisher noch nicht allzu viele Touristen verzeichnet, die Regierung tut einiges dafür, das zu ändern. Frauen, die alleine unterwegs sind, trifft man hier und da auch schon, was auch daran liegt, dass das Land sehr sicher zu bereisen ist.

Hinkommen

Die Einreise ist für Inhaber eines deutschen, österreichischen und schweizer Reisepasses für einen Aufenthalt von bis zu 60 Tagen visumsfrei möglich. Mit Turkish Airlines oder billiger mit Pegasus Airlines fliegt man über Istanbul nach Bischkek. Die Flüge sind relativ günstig, ich habe im Juni 2017 sehr kurzfristig nur drei Wochen vor Abflug gebucht und 340€ (hin & zurück) bezahlt. Die Flüge landen mitten in der Nacht, und ich hatte daher über mein Hostel im Vorhinein ein Taxi organisiert um mich abholen zu lassen, was mich 13€ kostete.

Als ich drei Wochen später nach einem Inlandsflug von Osch wieder in Bischkek landete kannte ich mich schon besser aus und wollte die Mashrutka nehmen die tagsüber zwischen Flughafen und Stadtzentrum verkehrt und unter 1€ kostet. Auf dem Weg dorthin sprach mich ein Sammeltaxi-Fahrer an, und für das habe ich nach kurzer Verhandlung dann 4€ bezahlt, dafür fuhr er mich direkt vors Hostel. Da die Flüge auch mitten in der Nacht wieder abfliegen und somit keine Mashrutkas fahren habe ich mir für meinen Rückflug mit einem anderen Gast aus meinem Hostel das organisierte Taxi dorthin geteilt.

Für die atemberaubend schönen Landschaften Kirgistans lohnt sich die Anreise in jedem Fall.

Rumkommen

In Kirgistan verkehren Minibusse (meist Mercedes Sprinter), die sogenannten Mashrutkas. In größeren Städten gibt es Busbahnhöfe, ansonsten gibt es oft Bushaltestellen ohne Markierung. Einfach in der Unterkunft nachfragen wo man sich hinstellen muss, die Einheimischen kennen das „System“. Da es keine fixen Abfahrtzeiten gibt stellt man sich dorthin und wartet, bis die Mashrutka mit der richtigen Nummer hinter der Frontscheibe angefahren kommt und winkt ihr. Wenn sie schon voll ist fährt sie allerdings vorbei.

Manchmal gibt es Bushaltestellen, manchmal nicht.

Daher kann man alternativ einfach auch bei jedem vorbeifahrenden Auto winken, es gibt jede Menge Sammeltaxis (mehr oder weniger offiziell – im Prinzip kann jeder ein Sammeltaxi sein) oder man wird von einem freundlichen Kirgisen mitgenommen. Hier wird nicht mit ausgestrecktem Daumen getrampt wie bei uns, man bewegt den ausgestreckten Arm auf und ab.

Bei Mashrutkas oder Sammeltaxis vorher kurz den Preis erfragen und ggf. verhandeln (bei Sammeltaxis), Privatpersonen bietet man bei Ankunft am Ziel am besten 1 – 2 € als Beitrag zum Benzingeld an. Meiner Erfahrung nach nehmen sie es jedoch meistens nicht an.

Die Mashrutkas sind lustigerweise oft Imports aus Deutschland.

Unterkommen

In den größeren Städten gibt es Hostels. Ich habe in Bischkek im Central Chuy Avenue Hostel, in Karakol im Duet Hostel, in Kochkor im Happy Hostel und in Osch im Lovely Home for you übernachtet und fand sie alle super. Ein Bett im Dorm kostet zwischen 4 – 8€ (ohne Frühstück).

In den ländlicheren Gegenden, wo es keine Hostels gibt, gibt es Homestays. Diese kann man vor Ort über CBT buchen. CBT, das Community Based Tourism, gibt es fast an jedem noch so kleinen Ort, und ist wirklich eine geniale Institution, die vom kirgisischen Staat etabliert wurde, um den Tourismus anzukurbeln. Auch wenn darüber zu buchen manchmal etwas teurer ist hat man einfach immer und überall eine Anlaufstelle.

Der wunderbare verwunschene Garten meines Homestays in Tamga.

Die Homestays kosten meist 12€, allerdings inkl. Abendessen und Frühstück, und ich hatte in fast jedem mein eigenes Zimmer (mit geteiltem Badezimmer). Bis auf Bischkek (das Central Chuy Avenue Hostel ist sehr beliebt und tatsächlich schnell ausgebucht) habe ich auf meiner Reise Ende Juni / Anfang Juli nie vorgebucht und als „walk-in“ immer problemlos einen Platz bekommen. Erst recht wenn man alleine reist. Im Moment übersteigt die Anzahl der Betten noch die der Touristen in Kirgistan.

Ein Kuriosum Kirgistans ist es, dass man in den Unterkünften oft alte Bekannte trifft, die man schon an einem früheren Ort getroffen hat. Das Land ist einfach so klein und die Anzahl der Touristen so überschaubar, dass man sich immer wieder begegnet. Auf Wanderungen oder Pferdetreks übernachtet man in Gäste-Jurten der Nomaden.

Guesthouse in Altyn-Arashan. In die Jurte wird man Nachmittags zum Tee eingeladen, sie dient auch als Übernachtungsmöglichkeit.

Sprache

In Kirgistan wird Russisch und/oder Kirgisisch gesprochen. Viele junge Kirgisen in den Städten sprechen Englisch, und natürlich sprechen auch die Betreiber der Hostels und Homestays alle gut genug Englisch um sich zu verständigen, dasselbe gilt für die CBT Mitarbeiter.

Klar ist es besser etwas Russisch zu sprechen, aber das ist halt auch keine Sprache die man eben so mal schnell lernen kann. Ich kam insgesamt auch ohne ein Wort Russisch zu können sehr gut durch. Notfalls geht eine Unterhaltung auch mit Händen, Füßen und Google Translate, ich war sogar überrascht wie gut!

Was mir geholfen hat, war vorher das kyrillische Alphabet zu lernen. So konnte ich zumindest die Ortsnamen lesen. Das ist überraschend einfach, da ca. die Hälfte der Buchstaben unseren entsprechen.

Diese ganz junge Kirgisin sprach hervorragend Englisch.

Geld

In Kirgistan wird mit kirgisischen Som bezahlt. In größeren Orten (auch am Flughafen) gibt es Geldautomaten, auf dem Land teilweise nicht. Daher sollte man ggf. lieber etwas mehr dabei haben. Allerdings ist Kirgistan insgesamt ein sehr sehr günstiges Land, in welchem man für unter 8€ übernachten und für 2€ – 5€ Essen kann. Als ich an meinem letzten Abend in Bischkek meine restlichen Som loswerden wollte und aus diesem Grund in einem gehobenen Restaurant auf der Karte nach dem teuersten Gericht suchte, kostete dieses 8€.

Auch die Fortbewegungsmittel sind günstig, am teuersten schlägt hier zu Buche wenn man doch mal ein Privattaxi an einen Ort benötigt wo man sonst nicht hinkommt. Mashrutkas sind das günstigste Fortbewegungsmittel, danach kommen die Sammeltaxis, und ansonsten kann man natürlich auch trampen.  Für mehrstündige Fahrten in Sammeltaxis bezahlt man meist um die 10€, Mashrutkas kosten nicht mehr als 2 – 3€.

Insgesamt habe ich in Kirgistan 26€ / Tag ausgegeben, meinen Flug nicht mit einberechnet.

Auch Aktivitäten wie ein mehrtägiges Pferdetrekking sind vergleichweise günstig zu machen.

Ausrüstung

Kirgistan bietet gefühlt eine Million Trekking- und Wandermöglichkeiten. Viele sind hier mit dem Zelt unterwegs, allerdings ist das Land auch ohne Camping-Ausrüstung zu bereisen und zu bewandern. Man hat zahlreiche Möglichkeiten, in Hostels, Homestays und Jurten zu übernachten. Die Kirgisen nehmen die Möglichkeit, durch die Beherbergung von Touristen etwas Geld hinzu zu verdienen gerne an. Ich bin daher mit kleinem Gepäck gereist, hatte zwar einen Schlafsack dabei, aber den hätte ich nicht benötigt, es gibt immer und überall genügend Decken. Dadurch dass die Gegenden oft sehr ländlich sind und Strom und Wasser auch mal über mehrere Tage hinweg ausfallen können, ist es nicht immer 100% sauber. Wer hier empfindlich ist sollte einen Hüttenschlafsack mitbringen. Für die Wanderungen empfehle ich einen Steripen oder Micropur Tabletten, dann kann man bedenkenlos aus Bächen und Flüssen trinken. Maps.Me funktioniert übrigens überraschend hervorragend in Kirgistan, sodass man wenn man nicht komplett in die Wildnis zu gehen gedenkt, auch kein GPS oder Landkarten benötigt.

Auf einer Wanderung bei Kyzil-Oi, wo man in atemberaubend schöner Landschaft fantastische Wanderungen in völliger Einsamkeit unternehmen kann.

Sicherheit

Als alleinreisende Frau in Kirgistan habe ich mich sehr sicher gefühlt. Die Kirgisen sind neugierig den wenigen Touristen in ihrem Land gegenüber, aber dabei meist eher zurückhaltend. Kriminalität gibt es wenig, und auch bei Dunkelheit hatte ich nie Bedenken alleine zu Fuß unterwegs zu sein.

Trampen war ebenfalls kein Problem, obwohl mir lustigerweise manchmal diejenigen die mich mitgenommen haben gesagt haben dass das ganz schön mutig von mir wäre, da ich ja nicht weiß wer mich da mitnimmt. Darauf hingewiesen dass sie mich ja grade mitnehmen, meinten sie einvernehmlich ja sie sind ja auch nicht gefährlich. Meinem Eindruck nach lag das eher an einem männlichen Beschützerinstinkt als an tatsächlichen Gefahren. Sowieso habe ich auch hier in Kirgistan als alleinreisende Frau viel Hilfe und Gastfreundschaft erfahren. Am Busbahnhof in Karakol angekommen kümmerte sich z.B. eine ältere Frau die ich in der Mashrutka kennengelernt hatte darum, dass mich ein Bekannter von ihr (kostenlos) in mein Hostel fährt.

Davon abgesehen lernt man in Kirgistan sehr viele Reisende kennen, und da das Land klein ist und oft dieselben Orte angesteuert werden kann man sich oft genug zusammentun. Wenn man nicht alleine sein will, ist man das auch in Kirgistan meistens nicht.

Ich bin in Kirgistan oft alleine gewandert, z.B. im Ala-Archa Nationalpark nahe Bischkek. 

Wahrnehmung alleinreisender Frauen in Kirgistan

Das Konzept alleinreisender Frauen ist in Kirgistan gänzlich unbekannt. Interessanterweise studieren junge Kirgisinnen oft, um dann ein paar Jahre zu arbeiten. Ich habe selbstbewusste weibliche Reiseführerinnen und Betreiberinnen von Hostels kennengelernt. Aber spätestens mit 25 Jahren müssen sie verheiratet sein, denn danach ist man als Frau „abgelaufen“. Und ab der Hochzeit ist es die Aufgabe der Frau, sich um den Haushalt, die Kinder und die Schwiegereltern zu kümmern.

Daher waren die Kirgisen oft ziemlich geschockt zu hören, dass ich in meinem fortgeschrittenen Alter von 34 Jahren weder verheiratet bin noch Kinder habe. Hilfsbereite Frauen boten mir an, einen kirigischen Mann für mich zu finden, noch unverheiratete Männer hätten mich auch selbst direkt geheiratet um mich aus meiner Misere zu erlösen.

Wenn mir das manchmal zu viel wurde habe ich einfach behauptet ich wäre verheiratet, sowie ein Foto meiner kleinen Nichte gezeigt und gesagt dass sie meine Tochter ist. Das Englisch der Kirgisen ist meist nicht gut genug und sie sind zudem zu zurückhaltend um nachzufragen, wo sich denn beide bitte befinden während ich alleine durch die Weltgeschichte gondle. Wahrscheinlich hielten sie mich für eine grottenschlechte Mutter, aber fanden das immer noch plausibler als die Tatsache, dass ich unverheiratet bin.

Ich als unverheiratetes Kuriosum in Kirgistan.

Kulturelles

Kirgistan ist das gemäßigste muslimische Land was ich bisher bereist habe. Jibek, die zuckersüße Betreiberin des Chuy Avenue Hostels in Bischkek sagte mir darauf angesprochen sehr treffend über ihr eigenes Volk: „Wir sind schon eine eigenartige Mischung. Wir sind Muslime, sehen aus wie Chinesen und sprechen Russisch.“ Sie erzählte mir auch, dass der Glaube zwar eine Rolle spielt, sie aber in ihrer Auslegung sehr frei sind. Wo sie beten ist egal.

Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Ich war sogar ein paar Tage während des Ramaddans da und es gab überhaupt keine Einschränkungen was z.B. das Essen betrifft. In den Städten habe ich nur vereinzelt Frauen mit Kopftüchern gesehen, auf dem Land haben die Frauen ihre Haare oft mit bunten Tüchern zusammengebunden. Es besteht als Touristin kein Dresscode, in den Städten wird es im Sommer sehr heiß und man kann problemlos mit Shorts und T-Shirt rumlaufen.

Obwohl die Kirgisen westlichen Touristen gegenüber sehr tolerant sind, sind sie selbst dennoch sehr konservativ und ihr Leben ist relativ vorbestimmt. Heirat gehört unbedingt mit spätestens Mitte 20 dazu, das geht sogar soweit, dass es bis heute noch Brautentführungen gibt. Insgesamt sind ca. ¼ aller Ehen durch so eine Entführung zustande gekommen. So schlimm diese Unsitte ist, als Ausländerin muss man hiervor keine Angst haben, es werden „nur“ einheimische Mädchen entführt.

Der Standard unterwegs und in den Unterkünften ist meist sehr einfach und nicht immer ist es überall ganz sauber. Das liegt vor allem daran, dass Wasser und Strom oft ausfallen, und natürlich nicht überall eine Infrastruktur wie wir sie kennen vorhanden ist. Ich habe unzählige Male kalt geduscht und Plumpsklos benutzt (mein Buff wurde hierfür mein liebstes Accessoire, einfach kurz vor dem Betreten über die Nase gezogen um mich vor den schlimmsten Gerüchen zu schützen).

Am einfachsten, aber auch am authentischsten, ist die Übernachtung in einer Nomadenjurte.

Zu Essen gibt es oft Eintopf mit Kartoffel- und Fleischeinlage mit frischen Tomaten und Gurken. Viel gibt es hier nicht zu sagen, außer dass man nach Kirgistan nicht wegen dem Essen fährt. Es macht satt, aber kulinarische Höhepunkte sind nicht zu erwarten. Es ist nun mal ein Berg-Land in welchem es sehr kalt wird, sodass nicht allzu viel wächst und Importe sind für das arme Land zu teuer. Wasser kann man aus den höhergelegenen Flüssen auch trinken, es schmeckt super lecker. Wer sich unsicher ist kann mit einem Steripen oder Micropour desinfizieren.

Typisches Essen in Kirgistan. Eintopf mit irgendwas und dazu ein bisschen Salat.

Mein Rating

Kirgistan ist landschaftlich einfach nur unbeschreiblich schön und ein absolutes Highlight. Wer Berge und endlose unberührte Natur liebt, der wird Kirgistan genau wie ich über alles lieben. Hinzu kommen die Kirgisen, die meist sehr herzlich, neugierig und gastfreundlich sind. Ich wurde unzählige Male zu Tee und Keksen eingeladen, und das trotz der Sprachbarriere.

Für alleinreisende Frauen ist Kirgistan sehr gut geeignet, da es sehr sicher ist, und man super einfach Kontakte mit anderen Reisenden knüpfen kann. Schließlich verbindet allein schon die Gemeinsamkeit, hierher gefunden zu haben.

Ich habe in Kirgistan zwar nicht übermäßig viele, aber doch ein paar alleinreisende Frauen getroffen. Ich ziehe zwei Punkte ab, weil die Infrastruktur noch nicht überall so gut entwickelt ist und oft kein anderer Weg bleibt als von A nach B zu trampen. Für die allererste Solo Reise ist Kirgistan daher nicht zu empfehlen, aber wer schon in ein paar Ländern war und einen Hauch von Abenteuer liebt, für den ist diese Land das absolut richtige. Vor allem wegen der unkomplizierten Einreise und des CBT auch als perfekter Einstieg in die „Stans“ geeignet.

Mein Rating: 8/10 Punkten

*Mein Rating bezieht sich darauf, wie geeignet ich ein Land für alleinreisende Frauen halte. Je niedriger das Rating, desto mehr Erfahrung sollte man als alleinreisende Backpackerin mitbringen. Ein niedriges Rating sagt nichts über die Schönheit des betreffenden Landes und seiner Menschen aus. 


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat und ich dich zu einer Solo Reise nach Kirgistan inspirieren konnte. Wenn du magst, folge mir auf:

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Servus, ich bin Annika. Auf der Suche nach den traumhaftesten Sonnenuntergängen und Gipfeln mit den atemberaubendsten Aussichten reise ich durch die Welt. Besonders angetan haben es mir außergewöhnliche Länder. Über die Abenteuer, die ich in diesen als alleinreisende Frau erlebe, berichte ich euch hier. 

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