Abenteuer Gilgit-Baltistan: im Schatten der 7000er durch Pakistans atemberaubenden Norden

Wann immer mich vor meiner Reise jemand gefragt hat, warum zum Geier ich nach Pakistan fahren möchte, habe ich “Hunza Valley” in die Google Suche eingegeben und die Bilder gezeigt. Es war zu dem Zeitpunkt eher schwer für mich, mit Worten für Pakistan zu argumentieren, schließlich wusste ich selbst noch nicht so genau was mich erwartet. Die Landschaft konnte das so viel besser. Heute, nach meiner Reise kann ich sowohl mit Worten als auch mit Bildern für Pakistan sprechen. Die Region Gilgit-Baltistan, oft auch einfach nur “The North” genannt, gehört landschaftlich zum schönsten, was ich je gesehen habe. Und nicht nur das. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich und weltoffen, das Essen kommt direkt von den Feldern auf die Teller und man kann hier überraschend einfach reisen, auch als Frau alleine ist das völlig problemlos.

Eine meiner Lieblings-Aussichten in Gilgit-Baltistan: die Passu Cones.

Die Zeit, die man hier verbringen kann, liegt bei Wochen oder sogar Monaten. Hier gibt es schier unzählige Trekking-Möglichkeiten für Berg- und Abenteuer-Liebhaber, alle in völliger Abgeschiedenheit, fernab der Zivilisation, dafür unfassbar nah an den Berg-Giganten und ihren Gletschern.

In Pakistan kann man noch in völliger Einsamkeit wandern und dabei Aussichten wie diese erleben.

Ich habe in 2 Wochen einen tollen Eindruck von Gilgit-Baltistan bekommen, mit einem Mix aus Wandern, relaxen, Städtchen anschauen und natürlich zahllose Chai Tees mit den Einheimischen trinken. Die Gegend eignet sich super für den Einstieg nach Pakistan und war schon vor 9/11 eine sehr bekannte und touristische Region. Ich wünsche den Menschen hier von ganzem Herzen, dass sie in Zukunft im Tourismus wieder eine Lebensgrundlage haben werden. Inshallah, wie man hier sagen würde.

In Pakistan wird man überall freundlich aufgenommen, wie von diesen Männern in Karimabad, die mich sofort zum Tee eingeladen haben.

Meine Reise führt mich von Islamabad über Gilgit nach Karimabad, Passu und ins Rakaposhi Basecamp, dann wieder zurück nach Gilgit und von hier aus nach Fairy Meadows.

Gilgit

Gilgit ist die Hauptstadt und der Umschlagpunkt für alle Destinationen in Pakistans Norden. Es kann passieren, dass man mehrmals hierher zurück kommt, sonderlich attraktiv ist die Stadt aber nicht. Ich würde daher nur zum Übernachten hierher kommen, der Rest der Region ist einfach so viel schöner als dass man hier mehr Zeit als notwendig verbringen sollte.

Ankunft mit der pakistanischen Airline PIA am Flughafen in Gilgit.

Hinkommen

Von Islamabad aus kann man entweder den Bus nehmen oder fliegen. Der Flug kostet ca. 80€ und dauert 1 Stunde, da die Piloten rein auf Sicht hierher fliegen, werden sie bei schlechtem Wetter gecancelled. Es kann auch passieren, dass der Flieger abhebt, und auf Höhe des Nanga Parbat wieder umdrehen muss, falls das Wetter umschlägt. Ich habe einfach die Wettervorhersage beobachtet und meinen Flug relativ kurzfristig nur 4 Tage vorher gebucht. Nicht nur blieb das Wetter dann glücklicherweise stabil, ich darf sogar die Piloten im Cockpit besuchen. Das macht den Flug gleich zu Beginn meiner Pakistan Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Grandioser Ausblick aus dem Cockpit meines Flugs nach Gilgit. Der größte Berg in der Mitte ist der Nanga Parbat.

Unterkommen

Ich kann das Madina Guesthouse im Zentrum empfehlen. Es ist für eine Nacht ok, allerdings nicht das sauberste Hotel ever. Da man aber wie gesagt sowieso nur zum schlafen nach Gilgit kommen sollte, passt das schon und man kann hier sehr gut andere Reisende treffen.

Buntes Treiben auf dem Bazar in Gilgit.

Karimabad

Karimabad ist der wohl schönste Ort im Hunza Tal. Die Häuser schmiegen sich an die grünen Berghänge und man hat eigentlich von überall fantastische Ausblicke auf die umliegenden 7000er und das blühende Tal. Man begegnet vielen super netten Einheimischen und kann tolle Gespräche führen. Hier hätte ich noch viel länger bleiben können.

Ausblick auf Karimabad Richtung Norden.

Hinkommen

In Gilgit gibt es einen großen chaotischen Busbahnhof mit Verbindungen in alle Richtungen. Einfach die Destination nennen wo man hin möchte, dann wird man zum richtigen Bus gebracht. Ich nehme von hier aus den Bus nach Karimabad, muss allerdings erstmal 2h warten bis er voll ist und überhaupt erst losfährt. Dafür sind die Einheimischen die im Bus mitfahren super nett. Der Busfahrer hält sogar zwischendurch an um seinen Kindern und mir ein Eis zu kaufen, was mich mit der langen Wartezeit vorher wieder versöhnt.

Der Busbahnhof in Gilgit.

Unterkommen

Einer der Einheimischen im Bus empfiehlt mir das Old Hunza Inn und bringt mich netterweise auch direkt hin. Das ist ein richtiger Glücksgriff und eine absolut empfehlenswerte Unterkunft. Die Aussicht auf das Städtchen und die Berge ist so wunderschön, dass man den ganzen Tag auf einer der Terrassen sitzend verbringen könnte.

Der wunderschöne Blick von meinem Balkon im Old Hunza Inn auf das Hunza Tal.

Aktivitäten in Karimabad

Eagles Nest

Besonders schön ist in Karimabad der Ausblick auf die Berge vom Eagle’s Nest aus. Man kann von Karimabad aus hoch wandern, das dauert allerdings 2 – 3 Stunden. Liaqat, der Sohn des Besitzers des Old Hunza Inn nimmt mich mit und wir laufen den ersten Teil. An der Straße nehmen uns dann Freunde von ihm im Auto mit. Es geht schon teilweise sehr steil nach oben. Die Aussicht allerdings entschädigt alle Mühen, der Blick auf die Berge beim Sonnenuntergang ist traumhaft schön (es wird frisch, wenn die Sonne weg ist, also am besten eine Jacke mitnehmen) und die Berge leuchten um die Wette.

Blick Richtung Norden, im Hintergrund einige 7000er.

Sensationelles Bergleuchten über den „Ladyfingers“.

Baltit Fort und Altit Fort

Die beiden Forts sind von Karimabad aus beide zu Fuß erreichbar und können besichtigt werden. Der Eintritt kostet jeweils 800 PKR (ca. 5,50€), darin enthalten ist auch eine Führung. Da auf beiden in etwa dasselbe erzählt wird reicht es, wenn man für einen der beiden Forts den Eintritt bezahlt. Der Baltit Fort ist höher gelegen und hat eine grandiose Aussicht, der Altit Fort liegt am Hunza River und hat einen sehr schönen Garten.

Ausblick vom Baltit Fort.

Farbige Fenster mit tollen Ausblicken im Baltit Fort.

Begegnungen

Ich habe das große Glück, dass mich Liaqat auch in die Schreinerei Karimabads bringt, einer der ganz wenigen Orte im ländlichen Pakistan, in dem (nur) Frauen arbeiten. Sie werden in Norwegen ausgebildet und bauen dann hier Möbel. Die Gelegenheit, mich mit diesen tollen starken Frauen zu unterhalten, ist sehr besonders für mich ist und bedeutet mir viel. Der Kontakt zu Frauen ist in Pakistan ansonsten nicht so einfach, da sie oft schüchtern sind. Außerdem bekomme ich die Gelegenheit, die Musikschule beim Altit Fort zu besuchen, und den Kindern zuzuhören, die hier pakistanische Folksmusik lernen. Sie spielen nur für mich einige Stücke, eines der Mädchen singt sogar. Fotos darf ich zwar machen, aber nur mit dem Versprechen, sie nicht zu veröffentlichen.

Frauen in Pakistan dürfen meistens nicht fotografiert werden. Umso besonderer ist diese Selfie für mich, auf dem ich mal mit Frauen bin und nicht wie sonst nur mit Männern.

Passu

Die Passu Cones sind eine beeindruckende Bergkette in Pakistans Norden auf dem Weg Richtung China. Passu ist ein kleiner Ort zwischen Karakoram Highway, Hunza River und den Cones, in den ich mich auf Anhieb verliebt habe. Bis heute ist er mein absoluter Lieblingsort in Pakistan. Es ist so ruhig und friedlich hier, das Dorfleben geht beschaulich zu, die Menschen sind so freundlich und egal wo man hinschaut, fällt der Blick auf atemberaubende Berge.

Tolle Begrüßung, oder?

Hinkommen

Hierher kommt man entweder von Gilgit aus dem Süden oder von der chinesischen Grenze im Norden, es verkehren Busse auf der Strecke, allerdings nur früh morgens. Auf dem Karakoram Highway zu trampen ist daher viel einfacher. Am besten in der Unterkunft nachfragen, man wird oft von jemandem der sowieso wohin muss zumindest ein Stück mitgenommen, oder die Besitzer helfen auch schon mal, ein Auto anzuhalten. In Aliabad gibt es einen Busbahnhof, ich bin da mehrfach gelandet, es wird dann gesagt der Bus fährt in 30 Minuten, aber drauf verlassen kann man sich halt nicht. Sie fahren, wenn sie voll sind, Punkt. In Aliabad kann man sich z.B. auch vor die Polizei-Station stellen, die Polizisten dort sind super nett und halten auch gerne eine passende Mitfahrgelegenheit für Touristen an.

Überall auf dem Karakoram Highway ergeben sich fantastische Ausblicke, wie hier auf den Rakaposhi.

Unterkommen

Ich übernachte im Cathedral View Guesthouse und das ist die sympathischste Unterkunft auf meiner ganzen Pakistan-Reise. Das Gästehaus ist ein offener Raum im traditionellen Wakhi Stil und vom Garten aus hat man einen unfassbar tollen Blick direkt auf die Passu Cones. Der Besitzer Hassan ist unglaublich nett, respektvoll (auch absolut für alleinreisende Frauen empfohlen), kocht super lecker und frisch (er geht Abends vor dem Essen mit der Schaufel in seinen Garten und holt Gemüse) und begleitet uns noch dazu auf unsere Wanderung zum Passu Gletscher, Borith See und der Husseini Hängebrücke.

Hassan, der super sympathische Besitzer, vor seinem Guesthouse.

Der Wahnsinns-Blick vom Garten auf die Passu Cones.

Begegnungen

Meine amerikanische Reisefreundin und ich laufen mehrmals den Karakoram Highway entlang. Jedes Mal halten Autos an, aufgeregte Männer springen heraus und wollen unbedingt Selfies machen. Die meisten sind dabei super nett und respektvoll, geben uns ihre Visitenkarten oder Telefonnummern und beschwören uns, uns unbedingt zu melden, sollten wir demnächst nach Islamabad, Karachi, Lahore oder wo auch immer sie herkommen, kommen.
Auf unserer Wanderunge gemeinsam mit Hassan wird er einmal von einheimischen Touristen angesprochen, ob sie ein Selfie mit uns machen dürfen. Er lehnt das ab, was zeigt, wie sehr er seine weiblichen Gäste respektiert und schützt.

Auf dem Karakoram Highway machen die Einheimischen nicht nur von uns Fotos, die prächtigen pakistanischen Lastwagen sind beliebte Fotomotive für Touristen.

Aktivitäten in Passu

1 Tages Wanderung zum Passu Gletscher

Eine tolle Tageswanderung von Passu aus ist die Runde über den Passu Gletscher, Borith Lake und Husseini Suspension Bridge. Der Weg startet am Glacier Breeze Cafe, hier unbedingt den Aprikosenkuchen probieren. Ich kann nicht empfehlen, den Weg ohne Guide zu gehen, da es keinen richtigen Pfad gibt. Zwar ist das Ziel, der Passu Gletscher, immer gut zu sehen, aber der Weg ist geröllig und man muss einige Male auf Graten laufen und dabei auch den jeweils richtigen Grat erwischen. Oben angekommen ist der Weg klar und das letzte Stück zum Passu Gletscher ist gut ausgebaut. Es gibt hier außerdem ein kleines Cafe, was allerdings nicht immer geöffnet hat.

Der Passu Gletscher zum Greifen nah.

Von hier aus kann man den Feldweg Richtung Borith See nach unten gehen, er führt durch kleine Dörfer und lohnt sich absolut. Der Borith See ist sehr hübsch und es gibt direkt am Ortseingang wenn man ein paar Stufen nach unten geht ein sehr nettes Restaurant mit tollen Panorama Fenstern.

Der malerische Borith Lake.

Von hier aus ist es nicht mehr weit nach Husseini. Um zur Hängebrücke zu gelangen läuft man ein Stück auf dem Karakoram Highway Richtung Süden, in einer Kurve befindet sich der Eingang – nicht zu übersehen, die Anlage ist auf Touristen ausgelegt.

Die Husseini Hängebrücke sieht atemberaubend aus, und das ist sie auch.

Wer mutig ist, kann diese Hängebrücke überqueren und auf der anderen Seite bis zur Passu Hängebrücke laufen, diese überqueren und dann von dort zurück nach Passu. Wer nicht so mutig ist, kann von Husseini aus zurück nach Passu laufen oder trampen.

Mutprobe auf pakistanische Art!

Kleine Wanderung zur Passu Hängebrücke

Die Passu Hängebrücke ist von Passu aus in ca. 1 Stunde zu Fuß erreichbar und ein schöner Halbtagesausflug. Das lohnt sich absolut, denn sie ist sehr viel ursprünglicher und untouristischer als die Husseini Hängebrücke. Der Weg dorthin, immer mit Blick auf die fantastischen Bergriesen, ist super schön und ein weiteres Highlight in Passu. Nach dem Shisper View Hotel läuft man noch ca. 10 Minuten den Karakoram Highway hinauf, bis zur nächsten Kurve. In dieser befinden sich die Wege zur Hängebrücke. Es ist egal, welchen man nimmt, der untere führt durch ein Dorf und dann am Flussbett entlang, der obere führt eher am Berg entlang. Notfalls ein bisschen pfadfinderisch wie immer in Pakistan nach Fußspuren auf dem Weg Ausschau halten. Verlaufen kann man sich hier nicht, und hilfsbereite Einheimische helfen sonst auch gerne aus.

Eine wackelige Angelegenheit aber wie sagen die Einheimischen so schön was die Überquerung der Hängebrücken betrifft: „It’s easy!“

Rakaposhi Basecamp

Was wäre der Norden ohne Trekking? Die Möglichkeiten in dieser grandiosen Berglandschaft sind schier endlos. Ich entscheide mich für einen 2-tägigen Trek zum Rakaposhi Basecamp. Er startet in Minapin, ein Dorf was zwischen Gilgit und Aliabad am Karakoram Highway liegt. Dadurch, dass man zumindest in der Sommersaison in im Camp vorhandenen Zelten übernachten kann, ist dieser Trek auch spontan und ohne Ausrüstung machbar. Eine ausführliche Beschreibung dieses grandiosen Treks, den ich absolut empfehlen kann, findest du hier.

Der grandiose Rakaposhi, immerhin 27. höchster Berg der Welt.

Fairy Meadows

An Fairy Meadows führt kein Weg vorbei. Wohl einer der touristischsten Orte in Pakistan, aber eben für pakistanische Verhältnisse touristisch. Das bedeutet, dass es zumindest Ende September auch in Fairy Meadows angenehm ruhig und beschaulich zugeht. Die Möglichkeit, einmal vor dem Nanga Parbat zu stehen, dessen Basecamp von Fairy Meadows in einer Tageswanderung erreichbar ist, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Ausgangspunkt hierfür ist ebenfalls Gilgit, wovon man mit dem Bus Richtung Chilas bis zur Raikot Bridge fährt. Von dort aus fahren Jeeps nach Fairy Meadows. Meinen kompletten Guide zum Trip nach Fairy Meadows inklusive Wanderung zum Basecamp findest du hier.

Ihre Majestät, der Nanga Parbat, 9. höchster Berg der Welt.

Fazit

Pakistans Norden ist ein außergewöhnlicher Ort. Hier ist die Landschaft so unglaublich schön, die Berge so wahnsinnig hoch und die Möglichkeiten, Zeit zu verbringen, unendlich. Die Menschen sind die liebenswürdigsten, die mir im ganzen Land begegnet sind, noch dazu sind sie äußerst gebildet und zeigen denjenigen Touristen, die hierher kommen, begeistert ihre Lieblingsorte. Im Gegensatz zu den konservativeren Regionen des Landes wie z.B. das Swat Valley, ist es überhaupt kein Problem, hier alleine als Frau zu reisen. Das Hunza Tal war immer sicher und wurde unverschuldet sehr schwer von 9/11 und den nachfolgenden Ereignissen getroffen. Viele der Einheimischen lieben ihre Berge und sind selbst Bergsteiger, und wer diese Liebe teilt, der wird auf der Welt kaum einen schöneren Ort finden, diese Leidenschaft auszuleben.


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat und ich dir ein paar Tipps für deine Reise nach Gilgit-Baltistan geben konnte. Wenn du magst, folge mir gerne auf:

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Servus, ich bin Annika. Auf der Suche nach den traumhaftesten Sonnenuntergängen und Gipfeln mit den atemberaubendsten Aussichten reise ich durch die Welt. Besonders angetan haben es mir außergewöhnliche Länder. Über die Abenteuer, die ich in diesen als alleinreisende Frau erlebe, berichte ich euch hier. 

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