Der Black Rock Lake: einsame und wunderschöne 3 – Tages – Wanderung in Georgiens Lagodekhi Nationalpark


Schneebedeckte Berge wohin das Auge reicht. Es ist schon Ende Mai und obwohl ich 2 Tage vorher in Tiflis noch in der drückenden Hitze geschwitzt habe, hat der Frühling seine Fühler bisher nur sehr zaghaft in die Berge im äußersten Südosten Georgiens ausgestreckt. Hier im wunderschönen wilden Lagodekhi Nationalpark grenzt das Land an Russland und Aserbaidschan. Es ist so wild und einsam hier, dass man die Stille hören kann.

Ausblick auf den wunderschönen Lagodekhi Nationalpark.

Ich bin mit Alek unterwegs, den ich im Hostel in Tiflis kennengelernt habe. Es war seine Idee, hierher zu kommen um die 3-tägige Wanderung im Lagodekhi Nationalpark zum Black Rock Lake, auf knapp 2800 Metern gelegen, zu unternehmen. Wir nehmen von Tiflis aus eine Mashrutka nach Lagodekhi (alle Details zur Anreise, erforderliche Ausrüstung, etc. findest du am Ende des Artikels).
Eigentlich planen wir eine Rundwanderung, doch am Eingang des Nationalparks wird uns gesagt, dass dafür noch zu viel Schnee liegt. Wir können lediglich das erste Shelter, die Meteo Station, erreichen und von dort aus in einer Tageswanderung versuchen, es bis zum Black Rock Lake zu schaffen. Viel Mut macht uns der nette Angestellte nicht. In den letzten Tagen hätten es lediglich 2 Wanderer mit GPS geschafft, da der Weg über weite Strecken noch unter Schnee begraben liegt. Alle anderen mussten aufgeben. Alek und ich schauen uns an. Das spornt uns eigentlich nur noch mehr an.

Ob wir den Weg über diese endlos scheinenden Berge und Schneefelder zu unserem Ziel, dem Black Rock Lake, wohl schaffen werden?

Der Weg beginnt direkt am Gate und führt in ca. 14 Kilometern und über einen Höhenunterschied von 1.500 Metern zur Meteo Station. Zum Start führt er sehr angenehm eben durch den Wald. Hier muss ein Fluss durchquert werden, der Ende Mai noch ziemlich viel Wasser führt. Alek wagt den Balance-Akt über einen Baumstamm, ich entscheide mich für die Variante Schuhe aus und durchwaten. Danach führt der Weg auf kleinen Pfaden teilweise relativ steil durch einen wunderschönen Wald. Wir werden begleitet vom Zwitschern der Vögel und dem Rauschen der Blätter der zahlreichen Laubbäume. Auf ca. halber Strecke erreicht man einen kleinen Picknick-Tisch. Hier ist etwa die Hälfte des Weges und die größte Steigung geschafft. Leider fängt es kurz nachdem wir diesen Punkt passiert haben ziemlich an zu regnen. Wir laufen daher relativ schnell und verzichten auf Foto-Stopps. Die Meteo Station erreichen wir nach ca. 4 Stunden, völlig durchnässt.

Der Laubwald, durch den man zur Meteo Station aufsteigt ist wunderschön. Der Nebel verleiht ihm etwas mystisches und märchenhaftes.

Die Hütte ist einfach, aber mit Betten und Matratzen ausgestattet. Über eine Solaranlage wird die Hütte sogar mit Strom versorgt, darauf verlassen sollte man sich aber nicht. Später trifft noch eine abenteuerlustige Familie aus München ein. Sie sind mit Pferden und einem Guide unterwegs und wollen am nächsten Tag ebenfalls versuchen, den Black Rock Lake zu erreichen.

Die Meteo Station besteht aus 4 Zimmern mit Stockbetten für insgesamt 16 Personen. Es gibt hier außerdem eine Lagerfeuer-Möglichkeit, ein separates Häuschen mit einem Ofen, eine Quelle mit sehr gutem Bergwasser und ein Toilettenhäuschen (es handelt sich dabei aber um ein Loch….).

Alek und ich starten um 8 Uhr morgens von der Meteo Station aus. Petrus möchte uns anscheinend für die Regendusche vom Vortag entschädigen und beglückt uns mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. Der Weg führt zunächst durch ein kleines Wäldchen, auf diesem Teil wird ca. die Hälfte der Steigung gemacht.

Morgens liegt dieses riesige Wolkenband über der Ebene und vermittelt uns ein tolles Über-den-Wolken-Gefühl.

Wir erreichen immer wieder Aussichtspunkte mit atemberaubenden Blicken auf die Berge auf der einen, und das Flachland auf der anderen Seite. Irgendwann wird die Landschaft sehr alpin. Schneefelder wechseln sich mit Felsformationen und Gras bewachsenen Feldern ab. So einsam wie hier habe ich es sonst nur auf Wanderungen in Pakistan erlebt. 

Wir bleiben immer wieder stehen um die atemberaubende Aussicht zu genießen.

Wir müssen mehrere schneebedeckte Täler und Anstiege bewältigen. Da der Schnee durch die Sonne schon weich wird, brechen wir immer wieder bis zu den Knien oder teilweise sogar hüfthoch ein. Das ist anstrengend und zehrt an unseren Kräften. Zudem ist der Weg nicht mehr zu sehen. Wir orientieren uns an den Fußspuren der vor uns gegangenen, dem auf Maps.Me zum Glück sehr gut eingezeichneten Weg und teilweise auch einfach daran, was wir selbst als besten Weg erachten. Leider treffe ich einmal eine schlechte Wahl und breche in ein Flussbett ein. Meine Füße waren zwar vorher schon nass, aber damit erreiche ich ein neues Level an Nässe. Der Fluss fließt jetzt gefühlt durch meine Schuhe.

Kurz bevor ich in den Fluss einbreche (daher lache ich hier noch). Man sieht es auf dem Bild nicht, aber ich bin nur mit Turnschuhen unterwegs. Was im Sommer kein Problem ist, ist bei diesen Verhältnissen natürlich eher suboptimal.

Nach 6 Stunden erreichen wir den Black Rock Lake, erschöpft aber überglücklich, es geschafft zu haben. Der See ist atemberaubend schön und jede Anstrengung wert. Hier herrscht völlige Einsamkeit und man schaut direkt nach Russland, bzw. die Region Dagestan hinein. Ich überlege, ein Stück um den See herum zu laufen, um einen Fuß nach Russland zu setzen. Am Ende habe ich aber doch Angst, ein russischer Soldat könnte über einem der Berge auftauchen und das nicht so witzig finden.

Der Black Rock Lake ist einfach nur wunderschön und im Sommer kann man sich hier wahrscheinlich super erfrischen. Wir haben auf das Bad allerdings verzichtet…

Normalerweise erreicht man von hier aus mit der Rundwanderung die nächste Hütte (Demnidovi’s Bina) nach nur 3 Kilometern. Wir müssen allerdings wieder den kompletten Weg zurück, was unsere Wanderung an diesem Tag 24 Kilometer und über 10 Stunden lang macht. Das wir ca. die Hälfte davon über schneebedeckte Felder und steile Hänge zurücklegen müssen, macht diese Tour zu einer der anstrengendsten, die ich bisher gemacht habe. Zurück in der Meteo Station schaffen wir es gerade noch, in unsere Betten zu fallen und schlafen in dieser Nacht äußerst gut.
Am nächsten Tag schlafen wir gefühlt erstmal aus und machen uns dann an den Abstieg. Der geht ordentlich in die sowieso schon mitgenommenen Beine und ich bin froh, meine Wanderstöcke dabei zu haben. Nach einer äußerst willkommenen Stärkung im Waldhotel fahren wir mit der Mashrutka wieder zurück nach Tiflis.

Hinkommen

Wir starten um 8 Uhr morgens vom Green House Hostel in Tiflis. Mit der Mashrutka 62 fahren wir zur Isani Metro Station. Von dort fährt eine Mashrutka in 2,5 Stunden nach Lagodekhi (7 GEL / ca. 2,50 €). In Lagodekhi angekommen hält die Mashrutka an der Hauptstraße. Der Eingang des Nationalparks ist ca. 3 km entfernt, wir nehmen ein Taxi dorthin (3 GEL / ca. 1 €). Am Nationalpark kann man sich im Waldhotel vor und nach der Wanderung stärken. Das Essen ist hier genauso gut und günstig wie im Rest des Landes. Hier befindet sich auch das Office des Nationalparks, wo man sich anmelden muss und von einem sehr netten, sehr gut englisch sprechenden Angestellten mit nützlichen Tipps versorgt wird.
Der Weg ist durchweg ausgezeichnet markiert und außerdem auf Maps.me eingezeichnet. Die Zeitangaben auf den Schildern sind sehr großzügig bemessen. Verlaufen ist so gut wie unmöglich. Im Sommer, ohne die Schneefelder, ist die Wanderung auch problemlos alleine machbar. Zum einen gibt es kaum ausgesetzte Stellen, und zum anderen wird man sehr wahrscheinlich spätestens in der Meteo Station Gleichgesinnte treffen, die denselben Weg haben. Bei den Konditionen zu denen ich unterwegs war, hätte ich es allerdings nicht alleine zum Black Rock Lake gewagt. Die Schneefelder waren zu tief und der Weg zu schlecht sichtbar, um das Risiko einzugehen. Außer dass wir zu zweit waren, gab uns die Tatsache Sicherheit, dass sich irgendwo hinter uns die Gruppe mit den Pferden und dem Guide befindet, die uns notfalls helfen könnten.

Unterkommen

Wer mag, kann in einem Guesthouse in Lagodekhi übernachten. Aber auch mit Anreise aus Tiflis ist der Aufstieg zur Meteo Station auf ca. 2000 Metern gelegen am selben Tag gut machbar. Die Meteo Station ist eine relativ einfache Holzhütte, die mit Betten und überraschend guten Matratzen ausgestattet ist. Wer im Sommer die Rundwanderung macht, kann die zweite Nacht in der Demnidovi’s Bina Station verbringen, die auf ca. 2700 Metern Höhe liegt. Die Übernachtung kostet 20 GEL (ca. 7 €) pro Person. Am besten man meldet sich vorher telefonisch im Nationalpark an, um sicher zu gehen, auch ein Bett in den Hütten zu bekommen. Es ist allerdings auch möglich, zu campen, sollte die Hütte voll sein.

Ausrüstung

Im Prinzip kann alle Ausrüstung für ein paar Euro im Nationalpark ausgeliehen werden (Schlafsack, Isomatte, Zelt, etc.). Ich hatte meinen eigenen Schlafsack dabei und brauchte daher nichts zusätzlich. Essen muss selbst mitgebracht werden. Es gibt auf der Meteo Station einen Ofen (allerdings leider nicht in der Hütte selbst, diese ist nicht beheizt), den man anfeuern kann. Für uns war der auch ganz nützlich um einen Teil unserer nassen Klamotten zu trocknen. Auf dem ersten Teil der Wanderung gibt es kein Wasser, daher unbedingt genug für den Aufstieg mitnehmen. An der Hütte selbst und auch auf dem Weg zum Black Rock Lake gibt es Quellen. Das Wasser ist frisch und kann problemlos getrunken werden.
Wichtig ist noch, unbedingt einen Reisepass mitzunehmen! Da man teilweise an der Grenze zu Russland wandert, kann es passieren, dass man von russischen Grenzbeamten kontrolliert wird.
Und zu guter Letzt, unbedingt vorher die Landkarte für Georgien auf Maps.Me herunterladen. Die App erweist sich auch auf der Wanderung in Lagodekhi als schlicht genial und macht ein GPS überflüssig.


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat. Wenn du magst, folge mir gerne auf:

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

Deine Email wird nie veröffentlicht oder geteilt. Pflichtfelder sind markiert *

Wer steckt hinter Sunsets & Summits?

Servus, ich bin Annika. Auf der Suche nach den traumhaftesten Sonnenuntergängen und Gipfeln mit den atemberaubendsten Aussichten reise ich durch die Welt. Besonders angetan haben es mir außergewöhnliche Länder. Über die Abenteuer, die ich in diesen als alleinreisende Frau erlebe, berichte ich euch hier. 

Über mich...

Folge mir auf

E-Mail Abonnement

Wenn du über neue Beiträge auf Sunsets & Summits benachrichtigt werden möchtest, dann trage dich hier für das e-mail Abo ein. 

Beliebte Artikel