Was du als alleinreisende Frau in Georgien wissen musst

 

Oh du wunderschönes Georgien, mit deinen tollen Landschaften, deinen endlosen Möglichkeiten, Wanderungen zu unternehmen, deine wahnsinnig herzlichen Menschen und dein fantastisches Essen, ich habe mich in dich verliebt! Für alleinreisende Frauen ist Georgien zudem absolut sicher und somit ein tolles, von Deutschland aus relativ einfach erreichbares Reiseziel.

Hinkommen

Es ist viel leichter und schneller als gedacht möglich, nach Georgien zu kommen. Wizzair fliegt sogar direkt nach Kutaissi, ansonsten kommt man mit vielen Airlines meist mit Umstieg in die Hauptstadt Tiflis. Ich habe für meinen Turkish Airlines Flug über Istanbul 240€ bezahlt. Die Flüge nach Tiflis landen meist mitten in der Nacht, es empfiehlt sich vorher über die Unterkunft einen Transfer zu organisieren, wenn man nicht mitten in der Nacht Lust auf eine Verhandlung mit einem Taxifahrer hat. Viele kommen zudem von auswärts und kennen die Unterkünfte nicht – ich musste meine Taxifahrer mehrfach mit Google Maps navigieren.

Achtung: Für die Einreise nach Georgien reicht theoretisch der Personalausweis, wer mit Umstieg einreist (z.B. über die Türkei) benötigt den Reisepass.

Blick auf Tiflis bei Sonnenuntergang.

Unterkommen

Es gibt in den Städten Hotels und Hostels, auf dem Land gibt es Guesthouses mit dem Charakter von Homestays. In Tiflis empfehle ich das sehr tolle Green House Hostel, die Besitzer sind super lieb und sehr hilfsbereit wenn es um die Organisation der Reise durch das Land geht. Die Georgier sind überhaupt alle wahnsinnig gastfreundlich, auch oder gerade gegenüber alleinreisenden Frauen. In den Guesthouses bekommt man wenn gewünscht auch Frühstück und Abendessen (meist sogar zusätzlich noch ein Lunchpaket), die Mahlzeiten sind unglaublich gut und meist auch sehr üppig. Hostels kosten pro Nacht um die 10€, in den Guesthouses liegt der Preis inkl. Verpflegung bei knapp 20€.
In den Nationalparks, wie z.B. Lagodekhi oder Borjomi kann man auf Wanderungen auch in einfachen Holzhütten in den Bergen übernachten. Der Preis hierfür liegt bei 7€. Hier muss man sich allerdings selbst verpflegen.

In vielen Nationalparks wie hier in Borjomi gibt es einfach Hütten, in denen man übernachten kann.

Rumkommen

Das Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln in Georgien ist sehr gut ausgebaut. Man kommt generell überall mit Minibussen (Mashrutkas) hin, die sind zwar nicht immer das bequemste aber ein günstiges und zuverlässiges Transportmittel. Es gibt außerdem Zugverbindungen, z.B. empfiehlt sich für die Reise nach Mestia von Tiflis aus der Nachtzug nach Zugdidi, von dort aus dann weiter mit der Mashrutka. Die Mashrutkas fahren von Tiflis aus meist stündlich in die meisten Destinationen und fahren auch überraschend pünktlich ab. Sie sind zudem für alleinreisende Frauen sehr sicher. 

Das beste Fortbewegungsmittel in Georgien sind immer noch die eigenen Füße auf wunderbaren Wegen wie diesen.

Sicherheit

Ich würde Georgien als sehr sicheres Land einstufen. Tatsächlich habe ich in Tiflis so viel Polizei-Präsenz erlebt wie sonst nie in einer Großstadt, nicht mal in München. Auch sonst wird man generell nicht über den Tisch gezogen (Ausnahme: bei Taxifahrern muss man wie in jedem Land auch hier ein bisschen aufpassen). Bei Dunkelheit kann man sich auch als Frau alleine problemlos zu Fuß überall bewegen. Ich benutze sonst auf Reisen ganz gerne meine Bauchtasche für meinen Pass, Kreditkarte und größere Scheine, darauf habe ich in Georgien verzichtet, so hoch war mein Sicherheitsgefühl. 

Ich bin in Georgien auch alleine gewandert, das ist super gut möglich. In den Nationalparks sind die Wege wirklich hervorragend markiert und alle Pfade sind auch auf der App Maps.Me eingezeichnet.

Sprache

Georgisch ist eine eigene Sprache mit eigener Schrift, es sprechen aber alle auch Russisch. Wer das kann ist also klar im Vorteil, gerade auf dem Land fand ich es oft schade, mich nicht mit den Älteren unterhalten zu können. Die jüngere Generation spricht allerdings meist Englisch, und so kommt man damit auch überall durch. Das gilt übrigens auch für die Nationalparks, die Angestellten dort an den Gates sprechen ebenfalls sehr gut Englisch.

Die Landschaft in Georgien macht seine Besucher wie hier in Swanetien auch einfach nur sprachlos.

Geld

In Georgien wird mit Lari (GEL) bezahlt. Es ist ein äußerst günstiges Reiseland, in dem man für ca. 7€ inkl. Getränk ausgezeichnet im Restaurant essen kann. Für die Mashrutkas um innerhalb des Landes von A nach B zu kommen bezahlt man meist nur 2 – 3€, nur in Swanetien ist es etwas teurer. Stadtbusse in Tiflis kosten nur wenige Cent. Übernachten kann man meist für unter 10€. Insgesamt habe ich in Georgien 24€ / Tag ausgegeben.

In den Bergdörfern Swantiens wie hier in Adishi kostet die Übernachtung inkl. aller Mahlzeiten ab ca. 17€.

Ausrüstung

Georgien ist ein fantastisches Wanderparadies, mit zahlreichen Nationalparks. Man kann entweder zelten, teilweise auch in einfachen Holzhütten (Shelters) übernachten oder wie z.B. auf der Wanderung von Mestia nach Ushguli, bei georgischen Familien in Guesthouses übernachten. In den Nationalparks kann generell alle Ausrüstung (Schlafsack, Isomatte, Zelt, etc.) für ein paar Euro ausgeliehen werden. Ich hatte meinen eigenen Schlafsack dabei, einfach weil ich das lieber mag und er sowieso schön leicht und klein ist. Ich habe alle Wanderungen mit Turnschuhen gemacht, das ist vor allem im Sommer kein Problem. Mir kamen in Lagodekhi auf dem Weg zum Black Rock Lake Ende Mai / Anfang Juni noch ein paar Schneefelder in die Quere, aber dann wurden die Füße halt zwischendurch mal nass. Da man doch einige Höhenmeter macht und teilweise das Terrain auch etwas schwierig ist (matschig, Fluss-Überquerungen) war ich ganz froh, meine Trekkingstöcke dabei zu haben. Eine Regenjacke empfiehlt sich ebenfalls, denn es hat einen Grund, warum die Bergregionen in Georgien so schön grün sind… 

Wenn Ende Mai auf dem Weg zum Black Rock Lake noch jede Menge Schnee liegt, sind Wanderschuhe nicht schlecht. Notfalls tun es aber auch Turnschuhe, Füße trocknen ja wieder!

Wahrnehmung alleinreisender Frauen

Georgien ist ein eher konservativ geprägtes Land, und daher sind alleinreisende Frauen für die Einheimischen nicht ganz alltäglich. Ich wurde in Tiflis einmal von einem Mann angesprochen, der für seinen Fetisch ein Foto von meinen beflipflopten Füßen machen wollte (ich habe abgelehnt) und einmal setzte sich im Park ein Mann neben mich, der irgendwas von mir wollte, dabei aber kaum ein Wort Englisch sprach. Dem Besitzer meines Hostels davon erzählt meinte der „Er dachte vielleicht du bist eine russische Prostituierte. Georgische Frauen setzen sich halt nicht alleine in den Park.“ Achso. Beide waren aber harmlos und ansonsten wurde ich immer und überall sehr freundlich aufgenommen. Auch mein Nicht-Verheiratet-Keine-Kinder-Status wurde problemlos akzeptiert. Man trifft doch auch einige andere alleinreisende Frauen in Georgien und das wird mit dem wachsenden Tourismus in nächster Zeit noch zunehmen.

Man findet in Georgien auch schnell Anschluss und lernt überall Reisende kennen. Hier sind mein Wanderfreund Yoshi und ich überglücklich und stolz, den höchsten Punkt der Wanderung von Mestia nach Ushguli erreicht zu haben.

Kulturelles

Georgien ist ein orthodoxes Land und die Menschen sind zum Großteil sehr religiös. Gerade die ältere Generation bekreuzigt sich z.B. jedes Mal wenn sie an einer Kirche vorbeikommen und christliche Feste sind große Angelegenheiten in denen mehrstündige Gottesdienste gefeiert werden. Die jungen Georgier sind allerdings sehr weltoffen, gehen gerne feiern und nehmen das Ganze entspannter. Man sieht gerade in Tiflis auch ab und an mal kurze Kleidchen, wenn auch nicht so häufig. Es wird in den Städten sehr heiß und ich bin mit Shorts und T-Shirts rumgelaufen, natürlich auch beim Wandern. Man wird ab und an von Männern mal angeschaut, aber stören tut sich daran niemand (die schauenden Männer erst recht nicht). Es gibt also keinen Dresscode, an den man sich halten muss.

Das Essen in Georgien ist unglaublich lecker und die Portionen immer sehr groß. Zu jeder Tageszeit gibt es Khachapuri (Fladenbrot gefüllt mit Käse) die wahnsinnig schmackhaft sind. Außerdem wird immer sehr gut gewürzt. Zu trinken gibt es oft selbst gemachten Wein und wers mag auch den bekannten, etwas stärkeren Schnaps, Chacha. Das Wasser kann man überall trinken, sowohl in Tiflis aus dem Hahn als in den Bergen aus den Quellen oder Flüssen. 

Die Georgier lassen wirklich niemanden verhungern!

Tiflis ist für seine Schwefelbäder bekannt. Man kann hier entweder einen private room mieten, oder für die ultimative Erfahrung, in ein öffentliches Bad gehen, z.B. das Sulfur Bath Nr. 5. Der Eintritt kostet 3 GEL / ca. 1 €, für ein Peeling und Massage bezahlt man jeweils 10 GEL / ca. 3 €. Das Ganze findet nackt statt, man geht also zunächst ins Bad, was eigentlich eher eine Dusche ist. Dort treffen sich die einheimischen (meist älteren) Frauen zum baden, peelen, rasieren, Haare färben und quatschen. Nach ca. 15 Minuten kommt dann eine georgische Bade-Meisterin und man wird ordentlich abgeschrubbt, eingeseift und massiert – das passiert im selben Raum. Die Haut fühlt sich danach noch mehrere Tage lang wahnsinnig toll und glatt an. Unbedingt empfehlenswert!

Wer es etwas luxuriöser mag geht in das persische Badehaus in Tiflis, das gerne mal mit einer Moschee verwechselt wird.

Fazit & Rating

Georgien ist ein absolut sicheres Reiseland, in welchem sich die Menschen gerade sehr stark auf den wachsenden Tourismus einstellen. Ich habe mich hier immer und überall sehr wohl gefühlt und kann das Land absolut für alleinreisende Frauen empfehlen.

Mein Rating: 10/10 Punkten

*Mein Rating bezieht sich darauf, wie geeignet ich ein Land für alleinreisende Frauen halte. Je niedriger das Rating, desto mehr Erfahrung sollte man als alleinreisende Backpackerin mitbringen. Ein niedriges Rating sagt nichts über die Schönheit des betreffenden Landes und seiner Menschen aus. 


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat und ich dich zu einer Solo Reise nach Georgien inspirieren konnte. Wenn du magst, folge mir auf:

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Wer steckt hinter Sunsets & Summits?

Servus, ich bin Annika. Auf der Suche nach den traumhaftesten Sonnenuntergängen und Gipfeln mit den atemberaubendsten Aussichten reise ich durch die Welt. Besonders angetan haben es mir außergewöhnliche Länder. Über die Abenteuer, die ich in diesen als alleinreisende Frau erlebe, berichte ich euch hier. 

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