Die Herausforderung mit der Kleiderordnung im Iran

 

Über kaum ein Thema habe ich mir im Vorhinein meiner Reise in den Iran so viele Gedanken gemacht wie darüber, was ich dort anziehen kann (und was nicht). Denn die Kleiderordnung ist hier so strikt vorgegeben wie in sonst kaum einem Land, nicht mal in Pakistan habe ich das so erlebt. Die Kleiderordnung im Iran ist eine Herausforderung, aber keine unlösbare.

Geholfen hat mir, auf Instagram dem Account @therichkidsofteheran zu folgen. Dort gibt es zahlreiche Fotos von Iranerinnen und ihren Outfits. Die Iranerinnen stellen an Stil und Aussehen die Frauen auf der restlichen Welt ordentlich in den Schatten. Sie schaffen es, die strenge Kleiderordnung die für sie vorherrscht so für sich auszulegen, dass sie an Schönheit und Eleganz kaum zu übertreffen sind.

Das Kopftuch

Das wichtigste Accessoire der Kleidung im Iran ist für Frauen das Kopfuch. Wichtig ist, dieses schon im Handgepäck zu haben, wenn man mit dem Flugzeug einreist, da es vor dem Aussteigen aufgesetzt werden muss. Einfach vorher zu Hause mal ein bisschen rumspielen mit ein paar Tüchern die man sowieso da hat. Glatte Stoffe wie z.B. Seide oder Chiffon sind weniger gut geeignet.

Das Kopftuch muss nicht alle Haare komplett bedecken, sondern kann durchaus locker hinten auf dem Zopf sitzend getragen werden. Die Iranerinnen sind Meisterinnen darin, das Kopftuch mehr als Schmuck- als als Kleidungsstück einzusetzen. Sie tragen es gerne so weit hinten wie möglich und reizen den Spielraum aus, so weit es ihre Gesetze eben zulassen.

Fast wie echte Iranerinnen.

Ich hatte ein etwas längeres Tuch dabei, was ich mir um den Kopf und dann nochmal um den Hals geschlungen habe. Als kleinen Trick habe ich es mit zwei Haarnadeln befestigt, weil es doch immer wieder runter gerutscht ist. Das sah zwar stylish aus, allerdings war es Ende Mai teilweise schon ziemlich heiß und mir wurde der Stoff am Hals zu viel. Ich habe dann hauptsächlich ein einfaches Dreieckstuch getragen, was ich einfach unter dem Kinn verknotet habe. Obwohl ich damit aussah, wie eine alte Frau, war es viel luftiger und somit angenehmer zu tragen.

Ich mit meinem „Old lady“ Tuch und wie man bei Heidi sieht rutscht es trotz aller Bemühungen einfach auch mal runter.

Mir ging das Kopftuch ehrlich gesagt schon ab Tag 2 ziemlich auf die Nerven. Zum einen war es lästig weil man ständig daran herum zupft weil man Angst hat es könnte runter rutschen, zum anderen war es für mich einfach das Gefühl, dass ich in meiner Freiheit eingeschränkt werde, nur weil ich eine Frau bin. Aber außerhalb des Hotelzimmers und in den Wohnungen der Iraner hat man einfach keine Wahl.

Wenn es mal runter rutscht ist das auch kein Drama, bei Ausländerinnen ist man was die Kleiderordnung im Iran betrifft tolerant und das äußerste ist, dass man mal darauf hingewiesen wird, es doch bitte wieder aufzusetzen.

Generelle Regeln

Was lässt sich sonst zur Kleidung im Iran sagen? Oberteile müssen mindestens Dreiviertel lange Ärmel haben und über den Po reichen. Vor allem dann, wenn man Jeans oder Leggins trägt, was absolut kein Problem ist, aber eben mit einem entsprechend langen Oberteil (bis Mitte Oberschenkel) kombiniert werden muss.

Ich habe teilweise auch eine etwas weiter geschnittene Bluse, die nicht über den Po reichte, zu einer lockeren Stoffhose getragen. Dieselbe Hose habe ich auch mit T-Shirt getragen, dann aber noch eine Tunika darüber. Hosen bzw. Röcke müssen immer bis zum Knöchel gehen, eine Dreiviertel Hose ist im Gegensatz zu Dreiviertel Ärmeln absolutes No Go. In der Wahl der Schuhe ist man wieder freier, Sandalen sind kein Problem.

Mit einer weiten Hose kombiniert war ein nicht über den Po reichendes Oberteil auch OK.

Kreativ werden

Mit ein bisschen suchen findet sicher jede von euch in ihrem Kleiderschrank ein paar Teile die so kombiniert werden können, dass sie für die Kleiderordnung im Iran geeignet sind. Mit lockeren, etwas weiter geschnittenen Teilen ist man auf jedem Fall auf der sicheren Seite. Je nach Jahreszeit empfiehlt es sich, möglichst leichte Stoffe auszuwählen. Mein Kreislauf hatte teilweise damit zu kämpfen, dass ich bei Temperaturen von bis zu 40 Grad auch noch so viele Klamotten tragen musste.

Die Aussage, die gerade von Männern gerne mal kommt, dass es doch viel angenehmer sei, den kompletten Körper bei sengender Hitze in Stoff zu hüllen, kann ich nicht teilen. Meiner Meinung nach soll jede Frau Shorts & T-Shirt tragen dürfen wenn ihr ansonsten zu heiß ist oder sie sonstige Gründe dafür hat, anziehen zu wollen was sie möchte, aber das ist ein anderes Thema.

Darauf, vor Ort einzukaufen würde ich mich übrigens eher nicht verlassen. Der europäische Geschmack unterscheidet sich doch sehr vom iranischen, und obwohl ich eigentlich immer mindestens ein Tuch kaufe, egal wo ich bin, habe ich im Iran nicht mal das gemacht.

Einen weiteren sehr ausführlichen Artikel mit vielen Tipps und Tricks zur Outfit-Wahl findest du bei A World Kaleidoscope.


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat und du einige nützliche Tipps für deine Kleiderwahl für den Iran finden konntest. Wenn du magst, folge mir auf:

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