Backpacking in Madagaskar: auf der RN7 von Antananarivo über Ranomafana, Fianarantsoa und Isalo nach Ifaty

 

Ein Regenwald, ein Grand Canyon, Traumstrände, hübsche Städte und jede Menge Lemuren. Ein Roadtrip auf der RN7 bietet so ziemlich alles, mit dem Madagaskar so aufwartet. Noch dazu eine Straße, die für hiesige Verhältnisse in einigermaßen gutem Zustand ist. Es ist daher wenig überraschend, dass die RN7 so etwas wie der Klassiker unter Madagaskar-Reisenden ist. Es sind viele Reisebusse und Privatwagen mit Fahrer auf der Strecke unterwegs. Aber auch individuell, mit Taxi Broussen, ist sie relativ einfach (allerdings nicht schnell oder komfortabel), machbar.  

Ich war zwei Wochen auf der RN7 unterwegs, habe die Nationalparks Ranomafana und Isalo besichtigt, bin durch Fianarantsoa geschlendert und habe den Traumstrand von Ifaty genossen. In diesem Guide findest du alle Infos zu den einzelnen Stationen, Tipps zu Unterkünften, Wanderungen, dem Umgang mit Taxi Brousse Fahrern, sowie Preise.

Nerven stählen, Pomuskeln lockern, Berührungsängste ablegen. Los geht’s im Taxi Brousse über die RN7.

Timing & Transportmittel

Vor allem wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist sollte sich mindestens 10 Tage Zeit nehmen. Ansonsten wird es stressig, und durch die viele Zeit, die man auf der Straße verbringt, wenig erholsam. Für die Strecke von Antananarivo bis Tulear braucht man mit dem Auto mindestens zwei, mit dem Taxi Brousse eher drei Tage. Es gibt Direkt-Verbindungen zwischen Tulear und Antananarivo oder sogar Morondava, allerdings ist es nicht empfehlenswert Nachts zu fahren.

Alternative Transportmittel sind das Flugzeug, oder man findet einen Fahrer, der sowieso leer wieder zurück fahren muss und handelt mit ihm einen Deal aus.

Straßenverkäufer an der RN7.

Antananarivo

Über die Hauptstadt Madagaskars gibt es wenig zu lesen und noch weniger gutes. Meine Erwartungen waren daher entsprechend im Minus-Bereich. So vorbereitet, ist es dann doch nicht sooo schlimm, vor allem wenn man schon ein paar hässliche Chaos-Städte in anderen Ländern erlebt hat. Trotzdem, auch ich wollte nicht länger als notwendig in Tana bleiben. Durch die Straßen rund um das Underground Hostel kann man schon mal spazieren, aber je nachdem wo man abbiegt ist es oft einfach nur schmutzig und die Luft ziemlich verpestet. Hinzu kommt, dass Taschendiebe unterwegs sind und man extrem auf seine Wertsachen aufpassen muss. 

Mein einziges Foto von Madagaskars Hauptstadt. Viel mehr gibt es nicht zu sehen und ich hatte Angst, jemand könnte mein Handy stehlen.

Das Madagascar Underground Hostel (34.000 MGA / ca. 8€ für ein Bett im Dorm) kann ich vor allem für Individualreisende absolut empfehlen. Man kann Kontakte knüpfen, nützliche Infos bekommen, Reisepartner finden. Ich habe hier einen Einheimischen kennengelernt, der sowieso nach Ranomafana fuhr und mich für eine Beteiligung an den Benzinkosten (ca. 25€) in seinem Auto mitnahm. Somit war die 10 Stunden Fahrt ziemlich komfortabel, ist aber ansonsten auch mit dem Taxi Brousse möglich.  

Ranomafana

Ranomafana ist ein süßes kleines Städtchen mitten im Regenwald, bekannt wegen seines Nationalparks. In diesem kann man eine Vielzahl von Tieren, vor allem aber Lemuren beobachten. Der Park ist relativ touristisch, und die Guides bzw. Spotter rufen sich untereinander an, wenn sie Lemuren sehen. Es kann daher passieren, dass sich 20 Leute um einen Lemur drängen. Ich war in der Nebensaison unterwegs, da war es nicht ganz so schlimm, aber in der Hauptsaison könnte das stressig sein (für die Menschen – die Lemuren machen einen ziemlich gechillten Eindruck). 

Dieser Lemur frühstückt gerade ein schmackhaftes Stück Bambus.

Die Preise wie in allen Nationalparks sind nicht verhandelbar. Ich habe 55.000 MGA (ca. 13€) Eintritt bezahlt, zzgl. 75.000 MGA (ca. 18€) für den Guide für die 2 – 4 Stunden Tour und 5.000 MGA (ca. 1€) Steuer. Es ist nicht ganz günstig für Madagaskar, aber mir hat’s super gut gefallen. Es hat Spaß gemacht, die Lemuren zu beobachten und durch den Wald zu wandern, mein Guide war außerdem sehr nett. 

Die meisten Hotels befinden sich im Ort, der Eingang zum Nationalpark ist ca. 6km entfernt. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann in Ranomafana ein Taxi Brousse nehmen. Ansonsten einfach andere Reisende mit Auto ansprechen, es gibt nur eine Straße und alle fahren in die Richtung. Ich habe nach meinem Nationalpark-Spaziergang direkt vom Park aus ein Taxi Brousse für meine Weiterfahrt nach Fianarantsoa genommen, das ist kein Problem. Auch mein Gepäck konnte ich dort problemlos aufbewahren. Die Guides vor dem Park waren super nett, haben das passende Taxi Brousse für mich angehalten und mir gesagt wie viel ich maximal für die Fahrt bezahlen soll (6.000 MGA / ca. 1,50€).

In der SOA Lodge herrscht Dschungel-Ambiente.

Meine Unterkunft in Ranomafana war die SOA Lodge, für 100.000 MGA / ca. 25€ bekommt man einen sehr hübschen Bungalow mit großartiger Aussicht über Ranomafana.  

Fianarantsoa

In der auf dem Hügel gelegenen Altstadt Fianarantsoas fühlt man sich fast ein bisschen wie in der Provence. Kleine Gassen, hübsche Häuschen, zahlreiche Kirchen und keine Autos. Für einen Zwischenstop lohnt sich die Stadt auf jeden Fall, auch wenn man nicht den Zug nach Manakara nimmt. Hier habe ich bei Chez Julienne et Patrick übernachtet, eine zuckersüße Unterkunft in der Altstadt, allerdings sprechen sie nur französisch und es gibt kein Wifi. Dafür super leckeres Essen zu unschlagbarem Preis. Das Doppelzimmer kostet 40.000 MGA (ca. 10€), das 3-Gänge-Menü auf dem Balkon Abends schlägt mit 20.000 MGA (ca. 5€) zu Buche, die tolle Aussicht gibt es kostenlos obendrauf.

Blick über die Dächer von Fianarantsoa.

Von Fianar aus kann man am Busbahnhof im Zentrum an der RN7 ein Taxi Brousse nach Ambalavao (oder weiter) nehmen. Nicht von den Ticket-Verkäufern verarschen lassen, man kommt für 5.000 MGA (ca. 1€) mit. Sie rufen allerdings erstmal höhere Preise auf (erzählen was von einer Direkt-Verbindung, die sofort losfährt, aber direkt ist es so oder so und es wird grundsätzlich erst losgefahren wenn der Bus voll ist), notfalls einfach so tun als würde man weggehen, dann klappt es auch. Mir wurde auch erzählt, ich müsste an Ort und Stelle mein Ticket bis Isalo kaufen, da es in Ambalavao keine Taxi Brousse Station gibt. Das waren die ersten von vielen Lügen, die mir auf meinem Madagaskar Trip von Taxi Brousse Fahrern erzählt wurden. 

Hier ist der Beweis: die durchaus existierende Bushaltestelle inkl. Ticket Office in Ambalavao.

Ambalavao

Das hübsche Städtchen, umgeben von der super schönen Berglandschaft des Andringitra Gebirges, bietet sich als Zwischenstopp zwischen Fianarantsoa und dem Isalo Nationalpark an. Von hier aus werden Wanderungen in die umliegenden Berge angeboten, Anbieter sind JB Trekking oder Alefa. Gege von Alefa ist super nett, seine Preise für eine 1-Tages-Wanderung sind 570.000 MGA (ca. 140€) für 2 Personen; 2-Tages-Wanderung wenn man alleine ist 940.000 MGA (ca. 230€) oder 620.000 MGA (ca. 150€ / Person) bei 2 Personen; die 3-Tages-Wanderung ist für 2 Personen für 780.000 MGA (ca. 190€ / Person) zu haben.

In den Straßen von Ambalavao.

Im Ambalavao kann ich das Hotel Residence du Betsileo empfehlen. Super sympathisches Team, man spricht Englisch, und die Zimmer mit Bad kosten je nach Kategorie zwischen 40.000 MGA – 60.000 MGA (ca. 10 – 15€). Strom und Wlan sind Glückssache, aber es gibt heißes Wasser. 

Es gibt in Ambalavao Geldautomaten, allerdings wenn die ganze Stadt keinen Strom hat nützen die auch nichts – besser genug Geld aus Fianarantsoa mitbringen. 

Ranohira / Isalo Nationalpark

Wer individuell durch Madagaskar reist, fragt sich desweilen, ob man der einzige Tourist im Land ist. Und dann wundert man sich, wenn man an Orten wie Isalo ankommt, und auf einmal ist man umgeben von Touristen. Der Isalo Nationalpark ist ein Muss an der RN7 und das zu Recht. Die Wanderung lohnt sich absolut, die Landschaft gleicht dem Grand Canyon, zwischendurch kann man in kleinen Oasen baden und Lemuren beobachten. 

„Touristenattraktion“ ist relativ in Madagaskar. Auch in Isalo ist man viel alleine.

Im kleinen Örtchen Ranohira kann man übernachten (und übrigens auch ganz ausgezeichnet bei einem ausgewanderten Italiener Pizza essen) und von hier aus eine Tages-Wanderung im Isalo Nationalpark unternehmen. Fahrer, Eintritt und Guide sind auch hier Pflicht. Der Eintritt kostet 50.000 MGA (ca. 12€), Guide 75.000 MGA (18€) und die obligatorische Steuer 5.000 MGA (ca. 1€). Wer sich mit anderen zusammentun möchte, muss sich selbst nach interessierten Reisenden umschauen. Der Preis für den Guide ist der für 4 Personen, aber die einheimischen Veranstalter machen keinerlei Anstalten, Gruppen zusammenzufassen. 

Die bizarre Felslandschaft im Isalo Nationalpark.

Von Ranohira aus geht’s mit dem Taxi Brousse weiter nach Tulear, das kostet maximal 20.000 MGA (ca. 5€). Auch hier wurden mir leider wieder Lügen erzählt, von wegen ich müsste am Vortag ein Taxi Brousse um 6:40 Uhr buchen, ansonsten fährt keins mehr. Es stimmt halt einfach nicht, es kommt auf der RN7 ca. alle halbe Stunde eins vorbei. Dann sollten wir Weißen zuerst 30.000 MGA bezahlen, man weigert sich, streitet sich, und kommt dann doch für 20.000 MGA mit. Die Einheimischen, konnte ich später sehen, haben 12.000 MGA bezahlt. Zu dem Zeitpunkt nervt es mich einfach nur noch, ich bekomme dieselbe schlechte Leistung im selben grattligen Taxi Brousse, mir sitzen Leute halb auf dem Schoß, es stinkt, es ist heiß oder man sitzt voll im Durchzug, ich werde mit madegassischer Popmusik, religiösen Gesängen oder was auch immer dem Fahrer gerade gefällt beschallt und Pinkel-Pausen gibt es auch nur wenn man Glück hat. Ich kann einen Touristen-Aufpreis bezahlen, ich habe mehr Geld, aber hier sehe ich es schlicht nicht ein. Zumal der doppelte oder dreifache Preis auch kein akzeptabler Touristen-Aufschlag mehr für mich ist. 

Willkommene Abkühlung im Isalo Nationalpark. Da lässt sich auch der Ärger über die Taxi Brousse Fahrer vergessen.

Tulear / Ifaty / Mangily

Alle reden von Ifaty, de facto steigen die meisten Touristen in Mangily ab, ein kleines Dorf wo sich die meisten Hotels direkt am Strand befinden. Der Weg hierher führt über Tulear, das fast noch schlimmer ist als Tana, wer hätte gedacht, dass das möglich ist. Es lohnt sich also nicht, hier zu übernachten. Das Taxi Brousse hält direkt am Hotel L’Escapade, dort kann man etwas essen und kurz durchschnaufen bevor es weitergeht. Hier hat man übrigens auch Kontakte zu Jeeps direkt nach Morondova, einfach an der Rezeption nachfragen. Von Tulear nimmt man entweder ein Taxi nach Ifaty (50.000 MGA / ca. 12€) oder fährt mit dem Taxi oder Pousse-Pousse zum Busbahnhof im Norden der Stadt um von dort ein Taxi Brousse zu nehmen. 

In Ifaty angekommen weiß man dann auch, warum man die Strapazen auf sich genommen hat, hierher zu kommen! Der Strand und das Meer sind wunderschön, hier kann sich der Körper und die Seele entspannen und es gibt diverse Aktivitäten im Bereich des Wassersports oder einen kleineren Baobab-Park zu besichtigen. 

Ich habe mir hier eine etwas schönere Unterkunft gegönnt, den Bamboo Club, mit Pool und Bungalows die bei 18€ / Nacht beginnen. Geldautomaten gibt es hier nicht, nur in Tulear. 

Hach, du wunderschöner Pool, du!

Von Ifaty aus gibt es theoretisch die Möglichkeit, an der Küste entlang nach Morondava zu kommen. Allerdings ist das nur mit einem Jeep (ca. 3 Tag auf Schotterpisten) oder einer Pirogge (ca. 1 Woche auf dem Meer, je nach Windverhältnissen) möglich. Ansonsten kommt man über die RN7 wieder zurück nach Antananarivo oder über Antsirabe nach Morondava. Ich habe in den Hotels in Ifaty etwas herumgefragt und über Chez Cecile einen Fahrer gefunden, der sowieso mit leerem Auto wieder zurück fuhr und konnte mir so die Rückfahrt mit dem Taxi Brousse sparen. Bezahlt habe ich für die Strecke Ifaty – Antsirabe (dauert 2 Tage, wir haben in Ambalavao übernachtet) ca. 50€. 

Die Belohnung für die lange Anreise ist der wunderschöne Strand von Mangily.

Mein Roadtrip auf der RN7 hat mir super gut gefallen. Im Nachhinein würde ich auch unbedingt empfehlen, wenn es sich arrangieren lässt und budget-technisch drin ist, zumindest einen Teil der Strecke per Auto zu fahren. Irgendwo in den Tiefen eines Taxi Brousse vergraben lässt sich die grandiose Schönheit entlang der Straße bei Weitem nicht so sehr genießen. Mir ist auf dem Hinweg, den ich Weitestgehend mit dem Taxi Brousse bestritten habe, vieles entgangen und ich war erst auf dem Rückweg so richtig begeistert von der sich ständig ändernden Landschaft. Möchte man im Anschluss nach Morondava, muss man nur bis Antsirabe zurück, da von dort die Taxi Brousse fahren. Oder man kann wie ich, von dort auf dem Tsiribinha River den Westen Madagaskars erobern


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat und du hier nützliche Informationen zu deiner Madagaskar Reise gefunden hast. Wenn du magst, folge mir auf:

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