Gorilla Trekking in Uganda – umfassender Guide für Backpacker und Individualreisende

 

Der junge Gorilla läuft zielstrebig auf mich zu. Ich kann nicht mehr ausweichen. Er packt mein Bein und macht Anstalten, mich Richtung Dschungel zu zerren. Ich bin die einzige Frau in meiner Gruppe, und dieses Männchen ist auf der Suche nach einem Weibchen. Den Kraftakt gewinne ich, aber nur knapp. Der heiratswütige Gorilla muss ohne mich von dannen ziehen.

Mein Gorilla – Verehrer! Süß ist er ja schon…

Die letzten verbleibenden Berggorillas zu tracken steht schon seit vielen Jahren auf meiner Wunschliste ganz oben. Für mich geht hier gerade ein Traum in Erfüllung, und meine Erwartungen werden weit übertroffen. Unsere kleine Gruppe im Mgahinga Nationalpark in Uganda kommt den Gorillas unglaublich nah.  Möchte man als Backpacker individuell das Gorilla Trekking erleben, ist das überhaupt kein Problem. Ich habe die Gorillas im Mgahinga Nationalpark besucht – bekannter, und dorthin gehen auch alle Touren, ist der Bwindi Nationalpark, in welchem 12 Familien leben. In Mgahinga lebt “nur” eine Familie, die Anfang 2020 17 Mitglieder hat. Daher ist Mgahinga der Geheimtipp unter Individualreisenden. 

Offiziell muss man 7 Meter Abstand zu den Gorillas halten – nur halten sich die Gorillas nicht immer daran!

Hinkommen

Von Kampala aus fährt man mit dem Bus nach Kisoro. Ich habe mich für Trinity Coaches entschieden, eine der besseren Busgesellschaften in Uganda. Die Busse fahren Abends um 21 und 22 Uhr von Kampala und kommen gegen 6 Uhr morgens in Kisoro an. Das Busticket kostet ca. 30.000 UGX (ca. 7€). Den in allen Reiseführern angepriesenen Postbus kann ich nicht empfehlen! Er wartet 3 – 4 Stunden bis er voll ist und hält danach alle Naselang an, noch dazu sind die Busse in schlechtem Zustand. Von Kisoro nimmt man eine Boda-Boda (ca. 15.000 UGX / ca. 4€) oder, wer zu viel Respekt vor den holprigen Schotterpisten hat, ein Taxi. Auf dem Rückweg habe ich morgens um 8 Uhr für 40.000 UGX (ca. 10€) in Kisoro den Jaguar Bus genommen und war auch ganz zufrieden. 

Blick auf einen der drei Vulkane im Mgahinga Nationalpark, das hier der höchste, der Mount Gahinga .

Unterkommen

Man kann in Kisoro übernachten, hier gibt es zahlreiche Unterkünfte. Meine Empfehlung ist das sehr sympathische Supa Guesthouse (9€ / Nacht / Zimmer mit eigenem Bad). Vor dem Gorilla Trekking kann man auch direkt am Gate des Mgahinga Nationalparks übernachten. Hier befindet sich das einfache, aber nette Amajambere Camp, was über einige Doppelzimmer und einen Dorm (9€ / Nacht) verfügt. Es wird Nachts ziemlich kalt, also warme Klamotten mitnehmen. Dafür kann man morgens länger schlafen. Gut, günstig und reichlich essen kann man hier ebenfalls, es werden Lunchpakete angeboten. 

Beim Briefing am Gate des Mgahinga Nationalparks.

Gorilla Permit

Glaubt man den Berichten im Internet, so hat man keine Chance auf eine Permit, wenn man diese nicht weit im Voraus bucht. Das sollte man wahrscheinlich auch tun, wenn man zur Hauptsaison (Juli – September und über Weihnachten & Neujahr) reist. Ich hatte Anfang Januar überhaupt keine Probleme kurzfristig eine Permit zu bekommen, weder für Bwindi noch für Mgahinga. Man holt sie ganz unkompliziert im UWA Office in Kampala oder in Kisoro. Die Kosten liegen bei 600$, ab Juli 2020 wird der Preis auf 700$ erhöht. 

Ein eine Woche altes Gorilla-Baby zu sehen, mit Mama und großer Schwester: unbezahlbar.

Bwindi oder Mgahinga?

Ich war nur in Mgahinga, kann also meine Einschätzung nur aufgrund dessen abgeben, was mir über Bwindi von anderen Reisenden erzählt wurde. In Bwindi gibt es zahlreiche Gorilla Familien, sowie zwei Nationalpark-Eingänge, im Norden und im Süden. Aufpassen bei der Buchung, wo man zugeteilt wird. Vor dem Start wird man in Gruppen eingeteilt, die Fitteren wandern zu den weiter entfernten Familien. Mir hat eine Bekanntschaft erzählt, dass sie 10 Stunden unterwegs war, also unbedingt genug Wasser für diesen Fall mitnehmen. Der Wald ist ein wunderschöner Regenwald und relativ dicht. Daher auch der Name Impenetrable Forest. 

Der Mgahinga Nationalpark ist offener als der Urwald in Bwindi, sodass tolle Aufnahmen von z.B. diesem Silberrücken möglich sind.

In Mgahinga gibt es nur eine Familie, die sich hin und wieder über die Grenze nach Ruanda oder in den Kongo zurückzieht, daher am Besten vorher informieren. Tendenziell muss man hier weniger anspruchsvoll wandern (bei mir war es nur eine halbe Stunde bis wir die Familie gefunden haben), und es ist ein sehr offenes Gebiet. Wem gute Fotos wichtig sind, dem sei laut meinem Guide, der in Bwindi und Mgahinga Gruppen führt, unbedingt Mgahinga empfohlen. Ein weiterer Grund für Mgahinga war für mich, dass Bwindi sehr stark auf Tourismus ausgelegt ist, und daher auch die Kosten für die Unterkünfte, Transport etc. höher sind. Außerdem ist in Mgahinga die Chance auf eine kleinere Gruppe höher – meine bestand nur aus drei Leuten, und das war natürlich genial. 

Die Gorillas sind die Besuche ihrer menschlichen Verwandten gewöhnt und relativ gechillt.

Uganda, Ruanda oder Kongo?

Auch hier kann ich aus eigener Erfahrung nur von Uganda sprechen, von Ruanda und Kongo nur aus Erzählungen. Ruanda hat den Preis auf drastische 1500$ erhöht, was für die meisten Backpacker wahrscheinlich schon deswegen nicht in Frage kommt. Die Sicherheitslage im Kongo ist angespannt. Ich habe zwei Österreicher getroffen, die Ende 2019 im Kongo waren und mir absolut begeistert davon erzählten. Sie wurden von bewaffneten Rangern direkt an der Grenze abgeholt, und haben sich die ganze Zeit sehr sicher gefühlt. Neben dem Gorilla Trekking haben sie von der Tour zum Nyiragongo – Vulkan geschwärmt, der noch aktiv ist und ein einzigartiger Anblick sein muss. Die Gorilla Permit kostet nur 400$, aber zumindest zum Zeitpunkt, wo ich diesen Bericht schreibe, kann man nur ein Komplett-Paket ab Abholung an der Grenze, buchen. Für Gorillas & Vulkan, inkl. allen Kosten, haben meine Freunde 1.400$ / Person bezahlt, wenn man alleine reist wird es noch etwas teurer. 

In Uganda gilt die starke Bewachung eher den Gorillas als den Besuchern.

Lohnt es sich?

600, bzw. zukünftig 700$ für eine Stunde (da wird relativ streng auf die Uhr geschaut) mit den Gorillas ist natürlich ein Wort. Auf die Frage, ob es sich lohnt, kann ich nur ja, ja und nochmals ja sagen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, von den Gorillas umringt zu sein, und sie auf diese sagenhaft kurze Distanz in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu können. Klar wissen wir, dass sie unsere Vorfahren sind, aber wie menschlich ihr Verhalten tatsächlich ist, ist absolut faszinierend zu sehen und zu erleben. Für mich ein absolutes Highlight, nicht nur meiner Uganda-Reise, sondern ein Erlebnis, was mich den Rest meines Lebens begleiten und nachhaltig beeindrucken wird.


Ich freue mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat und du hier nützliche Informationen zu deinem unvergesslichen Gorilla Trekking finden konntest. Wenn du magst folge mir auf

 

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